Sport : Das Erlebnis drinnen

Wie sich das Stadion anfühlt – ein Erlebnisbericht

Daniel Pontzen

Ein bisschen Skilift, etwas Raumschiff, viel Großraumwagen und eine Bassröhre in XXL. Wer in München seiner Liebsten am Samstagnachmittag künftig ein „Bin-Fußball-schau’n“ zuraunt und damit einen Besuch der Allianz-Arena meint, untertreibt. Im Regelfall findet zwar wirklich ein Spiel statt, doch schon das Drumherum verdichtet sich zum Erlebnis.

Der Eintritt erinnert an den Skilift: Abreißen war gestern, jetzt orten Lesegeräte die Chipkarte direkt in der Jacke des Fans. Wer eine Tageskarte aus Papier hat, schiebt sie in einen Schlitz, der Automat scannt das Ticket – hereinspaziert!

Ein Rundgang auf der Zugangsebene erhärtet den Eindruck vom Raumschiff, den der Blick von außen – vor allem bei Dunkelheit – hinterlässt: Die in strengem Grau gehaltenen Gänge gäben, futuristisch geformt, eine passable Kulisse für die nächste Star-Trek-Episode ab. Nur, dass sich hier deutlich mehr Menschen tummeln als im Weltall. Der Großteil der 28 Kioske, welche die Arena beherbergt, befinden sich auf dieser Konsummeile für Fans – mit vertrautem Angebot: Bratwurst (3 Euro), Bier (3,10 Euro) und Pommes (2,50 Euro). Gezahlt wird mit einer aufladbaren Chipkarte, die den gesamten Ablauf spürbar beschleunigt. Wer sich mit Ballonmütze oder Fahne ausstatten will, findet im Fan-Shop sein Einkaufsparadies.

Und dann: Platz suchen. Am schnellsten gelingt das jenen, deren Karte auf den mittleren der drei Ränge ausgestellt ist. Doch auch wer auf den oberen Tribünenteil kraxeln muss, wird großzügig entschädigt: mit einem Blick, der vom schlechtesten Platz immer noch besser ist als der im Olympiastadion von der Ehrentribüne. 34 Grad Neigung – Stadionliebhaber fühlen sich an den Mönchengladbacher Bökelberg erinnert.

Unter dem Dach hängen die beiden Videotafeln, die ein gestochen scharfes Bild liefern, und das bei Rekordmaßen: Auf der knapp 100 Quadratmeter großen Grundfläche ließe sich ein kleines Einfamilienhaus bauen. Akustisch stößt die Allianz-Arena ebenfalls in neue Dimensionen vor. Mit maximal 158 000 Watt jagen die Verstärker Vereinshymnen und Verbraucherhinweise durch die Boxen, bei voller Leistung ist die Arena also so etwas wie die größte Bassröhre der Welt. Gleichwohl: Kein einziger Pfiff entweicht unter dem Dach.

Nach den 90 Minuten Spielzeit bietet sich Gelegenheit zur Verlängerung der Anwesenheit: etwa in einem der beiden Fan-Restaurants, in denen man den rustikalen Charme eines Großraumwagens der Deutschen Bahn erlebt. Jeweils 1500 Fans können sich hier verpflegen – und in angemessenem Ambiente andere Bedürfnisse befriedigen: Die Toiletten sind zweifellos mit Abstand die schönsten von allen Bundesliga-Stadien.

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