Sport : Das falsche Finale

Die besten Eisschnellläuferinnen haben keine Lust auf den Teamwettbewerb

Frank Bachner

Berlin - Immerhin, die Einstellung hat gestimmt. Zwei deutsche Läuferinnen verursachten gleichzeitig einen Fehlstart, was für eine besondere Motivation spricht. Aber es war ja auch ein besonderer Wettbewerb. Das Team-Rennen der Nationen beim Eisschnelllauf-Weltcup in Berlin. Und das deutsche Team glänzte, nachdem der Start geklappt hatte, mit einer besonderen Energieleistung. Das Trio hatte im Ziel drei Sekunden gutgemacht auf den direkten Gegner China. Damit hatte Deutschland immerhin Platz 13 erreicht, Rumänien und Polen waren klar abgeschlagen. Die Siegerinnen aus Kanada waren jedoch weit weg, 7,9 Sekunden. Aber die Kanadier liefen gestern auch 3:03,07 Minuten für sechs Runden. Weltrekord.

Der Hallensprecher war rücksichtsvoll. Er nannte das deutsche Trio nicht „Dreamteam“. Den Begriff hatte nur der Pressesprecher der Deutschen Eisschnellauf-Gemeinschaft (DESG) für das deutsche Team mal aufgebracht. Aber „Dreamteam“, das wäre für die Damen Monique Angermüller, Katrin Kalex und Karin Mattscherodt nun doch ein bisschen zu viel der Ehre gewesen.

Angermüller, Kalex, Mattscherodt, diese Namen stehen für eine seltsame Posse. Die drei können nichts dafür, sie waren nur Lückenbüßer für die Stars Anni Friesinger und Claudia Pechstein sowie Sabine Völker und Daniela Anschütz. Eigentlich sollten Friesinger, Pechstein und Völker laufen, als echtes „Dreamteam“. Aber Friesinger sagte schon am Freitag ab, weil sie sich in Berlin auf die 1500 m konzentrieren wollte. Bei ihr bestand, so gesehen, sogar eine gewisse Planungssicherheit. Für sie rückte Daniela Anschütz nach. Aber dann beendete gestern Claudia Pechstein nach 1:58,67 Minuten ihr 1500-Meter-Rennen, wütend, weil sie sich mehr ausgerechnet hatte. Spontan sagte sie, dass sie nun keine Lust mehr auf den Teamwettbewerb habe. Der fand zwei Stunden später statt. Sie sei k.o., ließ sie ausrichten, sie wolle am nächsten Tag die 3000 Meter gewinnen. Dann verschwand sie wortlos.

Nun hatte auch Sabine Völker keine Lust mehr. Sie lief sowieso mit einer Erkältung die 1500 Meter, und „wenn die Stars absagen, habe ich auch keine Lust, mit einer halben Lungenentzündung zu laufen“. Als auch Völker absprang, entdeckte auch Daniela Anschütz plötzlich, dass sie schwere Beine hatte. Sie war schließlich 1:58,14 Minuten über 1500 Meter gelaufen, Platz acht bedeutete das. Und eine Verbesserung ihrer persönlichen Bestzeit um 1,5 Sekunden. Aber für den Teamwettbewerb war sie jetzt zu platt. Anni Friesinger hatte Platz zwei über 1500 Meter belegt, in 1:57,14 Minuten. „Das war gut für die Seele“, sagte sie. „Ich fühle mich rehabilitiert.“ Beim Weltcup in Hamar vor einer Woche war sie nur Neunte geworden.

So mussten plötzlich die überraschten Damen Angermüller, Kalex und Mattscherodt aufs Eis. „Da wird es noch Gespräche geben“, sagte Chef-Bundestrainer Helmut Kraus. „Wir sind nicht glücklich über diese Situation. Wir haben eine Chance vergeben, den Team-Wettbewerb in seiner ganzen Schönheit dem eigenen Publikum zu präsentieren.“ Der Wettbewerb ist für die DESG nicht bloß eine Chance, eine weitere Goldmedaille zu gewinnen, es geht auch ums Prestige. Die weltbesten 1500-m-Läuferinnen kommen aus Deutschland, da sind die Erwartungen hoch.

Im Weltrekord-Team von Kanada startete übrigens Cindy Klassen. Die hatte zwei Stunden zuvor die 1500 m vor Friesinger gewonnen.

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