Sport : Das falsche Land ruft

Warum Eisbär Quint nicht für Kanada spielen darf

Claus Vetter

Berlin - Es gibt so manche glorreiche Karriere im Eishockey, an deren Ende wenig für die Ewigkeit übrig bleibt. Von diesem Schicksal bleibt Deron Quint vermutlich verschont. Am 15. Dezember 1995 gelang ihm im Trikot der Winnipeg Jets etwas, was zuvor nur Nels Stewart von den Montreal Maroons im Jahr 1931 in der National Hockey League (NHL) gelungen war: Der 19 Jahre alte Verteidiger schoss im Spiel gegen Edmonton zwei Tore innerhalb von vier Sekunden. Knapp elf Jahre später könnte Quint seine Karriere nun um eine weitere Kuriosität bereichern: Vor einigen Tagen hat der kanadische Verband bei Quints Arbeitgeber, den Berliner Eisbären nachgefragt, ob Deron Quint nicht beim Deutschland Cup spielen kann – für Kanada, wohlgemerkt. Natürlich habe er sich gewundert als die Anfrage kam, sagt Eisbären-Manager Peter John Lee. „Denn Deron ist US-Amerikaner.“

Team Canada wird sich wohl einen anderen Verteidiger suchen müssen, denn Quint hat nicht vor, sich einbürgern zu lassen. Zumal er schon für sein Heimatland, etwa bei der WM 2001 in Deutschland, gespielt hat. Quint kann über die Geschichte mit Kanada nur schmunzeln, genauso wie über seinen Rekord aus dem Jahre 1995. „Das ist lange her“, sagt er. Damals war er neu in der NHL, also ein „Rookie“, und galt nicht unbedingt als Verteidiger, der Verantwortung übernimmt. Das hat sich gründlich geändert, Quint hat in neun Jahren NHL viel gelernt, sodass er auch mit der neuen Herausforderung bei den Eisbären leben kann. Mit 30 Jahren ist dort nun seine Erfahrung gefragt. Quint kann mit dem Druck gut leben, er hat nach 14 Spielen schon mehr Scorerpunkte auf dem Konto als in der vergangenen Saison in seinen 31 Spielen der Hauptrunde in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL).

Dabei hatte Eisbären-Trainer Pierre Pagé im November 2005, zum Zeitpunkt von Quints Verpflichtung, moniert, der gute Schlittschuhläufer mit dem harten Schuss habe für einen Verteidiger zu viel Offensivdrang. „Deron ist wie der Phil Housley“, fand Pagé damals. „Dem habe ich mal gesagt, dass er defensiv stärker werden muss, wenn er endlich mal einen Titel gewinnen will.“ Einen Meistertitel hat Deron Quint dann gleich in seiner ersten Saison bei den Eisbären gewonnen, und über den Vergleich mit dem Haudegen Housley sagt er: „Phil ist ein toller Kerl, ich hatte noch das Glück, mit ihm in einem Team zu spielen.“

Damals schaute sich Quint etwas vom erfahrenen Housley ab, nun müssen sich die jungen Eisbären etwas von ihm abschauen, denn ihnen würde nun nach Siegen gegen Augsburg und Straubing auch ein Erfolg gegen einen starken Gegner guttun. Den können sie am Sonntag in Hannover in Angriff nehmen. Davor gibt es aber heute noch die Partie beim Tabellenletzten Duisburg – ohne Richard Mueller, der immer noch auf seine Einbürgerung wartet. Immerhin, wenn der Eisbären-Stürmer das Ausweispapier vor dem Deutschland Cup (Beginn 9. November) erhält, könnte der gebürtige Kanadier für Deutschland spielen. Deron Quint wird beim Turnier in Hannover übrigens in keinem Fall dabei sein: Die USA nehmen nämlich nicht teil.

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