Sport : Das falsche Leben im wahren

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Man kann sich am Computer seine eigene Realität erschaffen. Floyd Landis, der gedopte Sieger der Tour de France 2006, hat sich auf diesen Weg begeben. Er beauftragte einen Hacker damit, ein Dopinglabor bei Paris auszuspionieren, um mit den dort gestohlenen Daten seinen zerstörten Ruf wiederherzustellen. Dafür ist der zu Beginn dieses Jahres zurückgetretene Radprofi wie sein Manager nun zu einem Jahr Gefängnis auf Bewährung und zu einer Geldstrafe von 75 000 Euro verurteilt worden.

Das ist viel Geld für einen, der in einer Art Roadshow mit humoristischen Elementen monatelang durch die USA gezogen ist, um seine Unschuld zu beweisen und dafür Spenden sammelte. Landis war kein Vorreiter im Dopen und im Leugnen an sich, er ist aber einer im Kampf um seinen Ruf gewesen, unterwegs auf neuen Wegen. Klassisch wäre es wohl gewesen, einen Killer zu engagieren – nur für wen? Für den vom wenig glaubwürdigen Kronzeugen Landis auch des Dopings bezichtigten Lance Armstrong? Oder für alle Dopingkontrolleure dieser Welt?

Der Hacker sollte Floyd Landis in der Öffentlichkeit wieder zu dem machen, der er früher einmal war. Das hätte vielleicht sogar ein Stück weit geklappt – wenn sie nicht erwischt worden wären. So aber bleibt das Bild von Landis: Ein Kurzzeitheld stürzt lange ab.

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