Sport : Das Familienprojekt

Florian Hambüchen und sein Weg zum Turnprofi

Maria Saegebarth

Wo anderen die Luft wegbleibt, beginnt Fabian Hambüchen mit seiner Wettkampfvorbereitung: unter der kalten Dusche. „Bevor ich turne, ruhe ich mich ein bisschen aus und schlafe“, erzählt das 16-jährige Turntalent. Mit diesem Ritual ist der Hesse weit gekommen. Bis ins olympische Reckfinale in Athen, in dem er Siebenter wurde.

„Ich war froh, überhaupt dabei zu sein. Und dann hat die Übung auch noch geklappt“, erinnert er sich mit einigen Wochen Abstand. Das Feld derer, die den jungen Mann sprechen und sehen wollen, ist seitdem groß. Familie Hambüchen engagierte eine Agentur, um die Anfragen von Sponsoren, Presse und anderen zu koordinieren. Der Persil-Hersteller Henkel steht inzwischen als Geldgeber fest. Bei Fabian müssten sie noch viel gründlicher aussieben, sagt Agent Jochen Habermaier. „Der muss ja noch zur Schule und einen geregelten Tagesablauf haben, um nicht sofort wieder von der Bildfläche zu verschwinden.“ Bei Hambüchens passen die Eltern auf. „Hier ist eh alles Teamarbeit“, sagt Mutter Beate. Sie ist für die Organisation des Tagesablaufs zuständig. Der Sohn muss zur Schule und zum Training, der Onkel hat das mentale Training übernommen und Vater Wolfgang leitet die Übungsstunden. Damit Fabian pünktlich beginnen kann, fahren ihn seine Eltern jeden Morgen zum Gymnasium und holen ihn wieder ab. Sie richten ihr Leben nach Fabian. Im Trainingszentrum der TSG Niedergirmes muss er fast täglich an die Geräte. Freizeit? „Habe ich genug“, antwortet er rigoros. Im Sommer sei er oft im Freibad.

Vater Wolfgang hat ihm einiges beigebracht. „Es ist bestimmt manchmal schwieriger, den eigenen Vater als Trainer zu haben als jemand unabhängiges“, sagt der 1,58 Meter kleine Turner, „aber es hat auch Vorteile.“ Querelen zwischen Teenager und Vater müssen bei der gemeinsamen Arbeit in den Hintergrund treten. Kein Problem für die Beiden, die seit Fabians Anfängen zusammenarbeiten. Hambüchen gibt sich professionell. Und fordert sich selbst. Zuletzt hat er fast ausschließlich nationale und internationale Meisterschaften geturnt. „Bei Juniorenwettkämpfen werde ich nicht mehr starten. Da müssen jetzt die Jungen nachrücken.“ Stattdessen wird er ab November für den KTV Straubenhardt im Schwarzwald in der Bundesliga turnen – und nach dem Wettkampf in eine heiße Wanne verschwinden, denn das macht er dann immer.

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