Sport : Das fatale Foul

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Stefan Hermanns über den Unterschied zwischen Ballack und Nedved

Es war das Halbfinale, und er hatte keine andere Wahl. Entweder er würde den Gegenspieler foulen, oder der Gegenspieler würde ein Tor schießen, das entscheidende vermutlich. Er wusste, dass er für sein Vergehen die Gelbe Karte sehen würde und dass er dadurch im Endspiel, dem größten, in dem ein Fußballer spielen kann, gesperrt sein würde. Im anderen Fall aber würde die Mannschaft das Finale gar nicht erst erreichen. Er wählte die erste Variante, die weniger schlechte von zwei äußerst schlechten – und fortan wurde Michael Ballack als tragischer Held besungen, der sich geopfert hatte. Er war Deutschlands bester Spieler bei der Weltmeisterschaft, hatte im Viertelfinale das einzige Tor geschossen, im Halbfinale auch – im Endspiel aber musste er zuschauen.

Am Mittwochabend haben viele an Ballack gedacht. Es war das Halbfinale der Champions League zwischen Juventus Turin und Real Madrid, und vielleicht hat der Tscheche Pavel Nedved an diesem Abend das Spiel seines Lebens gemacht. Das 1:0 für Juventus hatte er eingeleitet, das 3:0 selbst erzielt. Aber weil Nedved seine zweite Gelbe Karte sah, ist er in zwei Wochen beim Endspiel gesperrt. Der Tscheche ist kein tragischer Held wie Ballack in Südkorea. Er stand nicht vor dem Konflikt „Ich oder die Mannschaft“. Juventus führte 3:0, es waren nur noch wenige Minuten zu spielen, und es geschah fast am Mittelkreis, dass Nedved seinen Gegenspieler McManaman von den Beinen grätschte.

Das war nicht tragisch. Das war dumm.

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