Sport : Das Feld fährt hinterher

Armstrong hat es nur einmal eilig – Außenseiter Mercado gewinnt Etappe

Sebastian Moll

Lons-le-Saunier - An sich könnte sich Lance Armstrong entspannen. Als fünffacher Etappensieger und Träger des Gelben Trikots sollte der US-Amerikaner zwei Tage vor dem Ende der Tour de France in Paris über den Dingen stehen. Doch gewisse Sachen bringen ihn noch immer aus der Fassung. Wie auf der gestrigen 18. Etappe von Annemasse nach Lons-Le-Saulier, die Juan Miguel Mercado im Sprint einer Ausreißer-Gruppe vor seinem spanischen Landsmann Vincente Garcia Acosta gewann.

Nur eine Dreiviertelstunde nach dem Start attackierte der Italiener Filippo Simeoni das Feld. Simeoni ist ein zweitklassiger Radprofi, er hatte in einem Dopingprozess in Italien gegen Michele Ferrari, den Berater von Lance Armstrong, ausgesagt. Armstrong reagierte darauf, indem er öffentlich erklärte, Simeoni wolle nur von seinen Doping-Vergehen ablenken. Simeoni verklagte Armstrong wegen übler Nachrede. „Ich füge mich nicht der Gewalt von Armstrong“, sagte Simeoni.

Diese Aussage hat sich Armstrong gemerkt. Gestern machte er erneut deutlich, dass Simeoni keinen sportlichen Erfolg haben wird, so lange er im Sattel sitzt. Armstrong reagierte auf einen Angriff Simeonis und reihte sich zusammen mit dem Italiener in einer sechsköpfigen Fluchtgruppe ein. Dort redete Armstrong so lange auf die anderen Fahrer ein, bis diese dann Simeoni sagten, er solle sich zurückfallen lassen. Ansonsten, so hatte Armstrong den Ausreißern gedroht, werde das US-Postal-Team das Feld wieder an die Ausreißergruppe heranführen. „Simeoni schadet dem Radsport. Und die anderen Fahrer waren einverstanden“, sagter Armstrong später.

Die restlichen Fahrer der Gruppe signalisierten Simeoni, er solle aufgeben. Simeoni fügte sich und fuhr den Rest des Tages am Ende des Feldes. Doch mit dieser Strafaktion hat Armstrong nicht daz beigetragen, seine geringe Popularität in Frankreich zu steigern. Aber der US-Amerikaner hat oft gesagt, das ihm seine Popularität in Frankreich egal sei.

Möglicherweise wird Armstrong ohnehin nie mehr nach Frankreich zurückkommen. Nach Berichten der „New York Times“ hat Armstrong gegenüber einem Tour-Offiziellen erklärt, er werde keinen siebten Tour-Sieg anstreben. „Wir haben noch keine Planung für das nächste Jahr“, sagte Armstrongs Teamleiter Johan Bruyneel dazu.

Heute im Fernsehen:

Die 19. Etappe, Einzelzeitfahren in Besançon, live.

SENDEBEGINN 14.00 Uhr (ZDF)

13.45 Uhr (Eurosport)

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