Das Finale der Paralympics : Gold für die Stimmung

Der Athlet ist kein Brasilianer. Und er kommt spät ins Ziel, sehr spät. Das Publikum jubelt trotzdem.

Marc Bädorf
Jubel in Grün-Gelb. Fans beim paralympischen Goalball-Spiel Deutschland gegen Algerien.
Jubel in Grün-Gelb. Fans beim paralympischen Goalball-Spiel Deutschland gegen Algerien.Foto: Thilo Rückeis

Die Sorgen vorher waren groß, vor leeren Stadien, vor schlechter Stimmung, vor einer überforderten Stadt. Dann: Das erste Wochenende. Über 300 000 Menschen strömen in den Olympia-Park in Barra, mehr als am ersten olympischen Wochenende. Natürlich geht hin und wieder etwas schief, sucht ein Busfahrer eine Stunde den Knopf, mit dem er die Klappe für einen rollstuhlfahrenden Journalisten hinunterlassen kann, sprechen viele der freiwilligen Helfer kein Englisch, sind hilfsbereit, wissen aber recht wenig.

Frenetisch gefeiert

Die Stadien und Arenen sind voll, die Zuschauer in Gelb und Grün gekleidet, vor allem wenn Brasilianer antreten. Das Publikum ist begeistert, die Stimmung fantastisch. Es sind viele kleine Schnipsel, die zusammen ein großartiges Bild von diesen Spielen in Rio ergeben. Da gibt es die brasilianischen Damen im Rollstuhl-Basketball, die der deutschen Mannschaft völlig chancenlos 32:77 unterliegen und trotzdem bei jedem Punkt frenetisch gefeiert werden.

Zu Tränen gerührt

Da gibt es den namibischen Schwimmer, den ersten seines Landes, der auf 50 Metern fast eine Minute länger braucht als der Gewinner. Während sich die anderen Schwimmer schon am Beckenrand festhalten, ihr Atem wieder langsam geworden ist, kämpft er sich noch durch das Wasser, angefeuert vom ohrenbetäubenden Lärm der brasilianischen Fans. Da gibt es auch beim Sitzvolleyball ein tosendes Stadion.

Da gibt es die Judo-Halle, in der die Zuschauer mit ihrer Begeisterung fast jeden der Judokas zu Tränen rühren, die Judo-Halle, in der plötzlich tausende Brasilianer Usbekistan nach vorne schreien.

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Paralympics enden mit bunter Show
Paralympics enden mit bunter Show

Und da gibt es das Fußballstadion, weit oben im Norden der Stadt, dort, wo Rio nicht mehr gewaltig ist, sondern ruhig. Trotzdem ist das Stadion voll, als Brasilien im Fußball 7-a-side hier im Halbfinale antritt. Es ist das vorerst letzte Mal, dass Fußball 7-a-side bei den Paralympics stattfindet. Und als Brasilien das Halbfinale verliert, deutlich mit 0:5, und die Iraner das Endspiel erreichen, da klatschen die Zuschauer nach dem Abpfiff.

Marc Bädorf ist einer der Jungjournalisten der Paralympics Zeitung Rio 2016 und 21 Jahre alt

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