Sport : Das finale Drama

Kaiserslautern, Frankfurt oder 1860 München: Wer steigt heute aus der Bundesliga ab?

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Anpfiff in Deutschland. Es ist der Tag der Entscheidung in der FußballBundesliga. Am spannendsten ist der Abstiegskampf: Kaiserslautern, Frankfurt und 1860 München kämpfen um den rettenden 15. Tabellenplatz. Wie steht’s mit den Nerven? Wie laufen die Vorbereitungen? Und wer sorgt für Ärger? Eine Bestandsaufnahme vor dem Saisonfinale.

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Kaiserslautern – Dortmund

Christian Nerlinger, der Fußballer von Glasgow Rangers, und seine Kollegen Markus Babbel (Blackburn Rovers) und Carsten Jancker (Udinese Calcio) sitzen bestimmt angespannt vor dem Fernseher. Es geht heute um ihren Job, es geht um den 1. FC Kaiserslautern. Holt der Verein nämlich gegen Borussia Dortmund einen Punkt, dann hat der FCK die Klasse gehalten – und wird dann die Herren Nerlinger, Babbel und Jancker unter Vertrag nehmen. „Wir können es aus eigener Kraft schaffen, das ist unser großer Vorteil“, sagt Trainer Kurt Jara.

Doch so leicht und übersichtlich ist die Situation nicht in Kaiserslautern. Einerseits muss Kaiserslautern erst einmal gegen den BVB punkten, der sich – wahrscheinlich ohne den verletzten Thomas Rosicky (Grippe) – noch Hoffnungen auf einen Uefa-Cup-Platz macht. Und dann ist da diese permanente Unruhe, die auf die Stimmung drückt. Klose wechselt nach Bremen, Lokvenc und Kapitän Aleksander Knavs gehen nach Bochum. Und Trainer Kurt Jara wird angeblich nach dem Spiel entlassen. Sein Verhältnis zur Klubführung ist schlecht, seitdem Jara nach der Niederlage bei Schalke 04 Vorstandschef René C. Jäggi und dessen Assistenten Jürgen Bühler öffentlich kritisiert hatte. Den FCK-Fans rief Jara nach dem 0:3 zu: „Fragt doch den Jäggi und den Bühler! Die haben die Spieler geholt!“ Was er nicht wusste: Neben Jara stand eine Fernsehkamera der ARD.

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Hamburg – Frankfurt

„Auf geht’s nach HAMBURG!!!“, steht auf der Internetseite von Eintracht Frankfurt, und daneben: „DAS WUNDER, 3. Teil!“. In Frankfurt muss in diesen Tagen die Geschichte herhalten, um den Fans ein bisschen Hoffnung zu geben. Ihre Mannschaft muss beim Hamburger SV antreten. Nur bei einem Sieg und einer zeitgleichen Niederlage des 1. FC Kaiserslautern würde Frankfurt in der Bundesliga bleiben. Das erste Wunder fand 1999 statt. Eintracht Frankfurt war damals eigentlich schon abgestiegen. Doch weil der 1. FC Nürnberg überraschend zu Hause verlor und die Frankfurter zur selben Zeit mit 5:1 gegen Kaiserslautern gewannen, tauschten die Klubs noch die Plätze.

Das zweite Wunder ist gerade ein Jahr her: Am letzten Zweitligaspieltag steht es sieben Minuten vor Abpfiff 3:3 gegen Reutlingen. Zu diesem Zeitpunkt ist der FSV Mainz 05 aufgestiegen – und nicht Eintracht Frankfurt. Doch dann schießt die Eintracht zwei Tore und noch ein drittes in der Nachspielzeit und schafft das Wunder. Heute soll der dritte Teil stattfinden, 10 000 Fans reisen mit nach Hamburg.

Frankfurts Trainer Willi Reimann gefällt dieses Wunschdenken überhaupt nicht: „Wir können doch lediglich unser Spiel positiv gestalten, der Rest liegt nicht in unserer Hand.“ Die Fans lassen sich in ihrer Euphorie nicht bremsen. In den Geschichtsbüchern haben sie jetzt entdeckt, dass vor 30 Jahren die Frankfurter im DFB-Pokalfinale gegen den HSV spielten, als Außenseiter gegen das Spitzenteam antraten und am Ende völlig überraschend als Sieger vom Platz … ach, lassen wir das.

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Mönchengladbach – 1860 München

Ja, er würde wieder schießen. Wieder einen Elfmeter. Ausgerechnet er. Francis Kioyo, „der schwarze Kutzop“ („Bild“). Vor einer Woche drosch er den entscheidenden Elfmeter für 1860 gegen Hertha BSC neben das Tor . Die Berliner waren dadurch gerettet, 1860 dagegen war dem Abstieg einen großen Schritt näher. Francis Kioyo schlug anschließend die Hände vors Gesicht und sank zu Boden. Vor dem Auswärtsspiel in Mönchengladbach sagt er: „Ich würde wieder schießen. Ich habe den Mut!“ Sehr begeistert ist Münchens Trainer Gerald Vanenburg nicht, denn der wiederum sagt: „Torben Hoffmann würde schießen, zum zweiten Schützen habe ich Roman Tyce benannt.“

Als hätten die Münchner keine anderen Probleme: Nur mit einem Sieg und einer Niederlage von Kaiserslautern und höchstens einem Unentschieden von Frankfurt hätte 1860 noch eine Chance. Wenn nicht: Dann wird die halbe Mannschaft verkauft, auch Trainer Vanenburg müsste gehen. Immerhin: 1860 will im Abstiegsfall ins Stadion an der Grünwalder Straße zurückkehren. Der Abstieg wäre vielleicht doch zu verkraften.

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