Sport : Das Finanzamt kann kommen Wallaus Handballer verkünden ihre Rettung

Maria Saegebarth

Frankfurt am Main - Es sah nicht gut aus für die SG Wallau-Massenheim. Immer weniger Menschen im Umfeld des Klubs glaubten zuletzt daran, dass der finanziell angeschlagene Handball-Bundesligist noch zu retten sei. Doch der Klub hat in den vergangenen 16 Tagen viel dafür getan, um 532 000 Euro zusammenzubekommen und die Insolvenz abzuwenden. Gestern war es dann soweit. Gesellschafter-Sprecher Ralf Jahncke verkündete: „Die SG ist gerettet.“ Ein Nachsatz aber dämpfte die Erleichterung im Wallauer Vereinsheim. „Wenn alle ihre Zusagen einhalten“, hatte Jahncke gesagt. Doch er gab sich zuversichtlich, die Lizenz für die nächste Saison zu bekommen. Die Gespräche seien positiv verlaufen und die Zusagen von Sponsoren und Gläubigern hält er für verbindlich. Bis zum 18. März sollen alle Verträge unterschrieben sein.

Einzig die Forderung von 230 000 Euro von Seiten des Hofheimer Finanzamtes bereitetet den Verantwortlichen Sorgen. Die Behörde hat einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht gestellt. Die Versuche, einen Abzahlungsplan zu vereinbaren, seien ernüchternd abgelaufen, sagte Jahncke. Wallau hatte vorgeschlagen, in der kommenden Woche 80 000 Euro zu überweisen und neben den laufenden Forderungen monatlich 50 000 Euro zu zahlen. Eine Reaktion blieb aus. Jahncke schließt nicht aus, dass ein Insolvenzverwalter bestellt wird. „Aber dann sind wir handlungsunfähig.“ Vergangene Woche hatte Jahncke noch gesagt, beim hessischen Traditionsklub könnte es „zappenduster“ werden. Die Gefahr scheint abgewendet zu sein – wenn das Finanzamt kooperiert.

Die sportliche Zukunft des angeschlagenen Vereins sieht bescheiden aus. Viele Spieler haben den Verein verlassen, der TV Großwallstadt verpflichtete gestern die Nationalspieler Jan-Olaf Immel und Heiko Grimm. Dennoch sagt Vereinschef Jahncke: „Hier ist kein Ausverkauf, wir werden auch in der nächsten Saison einen bundesligatauglichen Kader haben.“ Wer die Spieler dabei betreuen wird, ist eine der vielen offenen Fragen beim zweimaligen Deutschen Meister. Trainer Martin Schwalb hat nach eigener Aussage ein Angebot eines anderen Bundesligaklubs vorliegen. Schwalb gehört seit 15 Jahren zum Verein, erst als Spieler, dann als Trainer. Gestern sagte er: „Es geht um das Schiff Wallau-Massenheim, nicht um die Besatzung. Und wenn das Schiff auch in der nächsten Saison seine Kreise in der Bundesliga dreht, dann wird auch ein Trainer mit an Bord sein.“

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