Sport : Das Geld liegt auf dem Platz

Nach dem Skandal um Robert Hoyzer will der DFB am Wettgeschäft verdienen

Frank Bachner

Berlin – Eines hat der Wettskandal um Schiedsrichter Robert Hoyzer im deutschen Fußball nicht bewirkt: Die Zahl der Wetten ist keineswegs zurückgegangen. Im Gegenteil. Seit dem Skandal sind etwa die Umsätze des Wettanbieters Betandwin sprunghaft gestiegen. Bis bekannt wurde, dass der Kroate Ante S. aus Berlin durch manipulierte und regelgerechte Wetten Millionen Euro verdient hat, sind viele Sportfans auf den Geschmack gekommen. Viele Fußballfreunde haben für sich eine vermeintliche neue Geldquelle entdeckt. Bis ins letzte Detail wurde schließlich über alle möglichen Wettkombinationen berichtet. Die Zahl der Wettbüros im ganzen Land ist inzwischen gestiegen.

Ante S., seine Brüder sowie der Berliner Schiedsrichter Robert Hoyzer stehen am Dienstag in Berlin vor Gericht, ihnen drohen teilweise hohe Haftstrafen, aber sie haben auch eine Welle auf dem Wettmarkt in Bewegung gesetzt. Bei der sprunghaften Nachfrage verwundert es nicht, dass auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) vom neuen Wettfieber profitieren will. Der DFB-Bundestag hat im April beschlossen, „ab der Saison 2006/2007 mit einer eigenen Wette auf den Markt zu gehen“.

Die Frage ist nun, ob der DFB seine Pläne umsetzen kann. In diesem Punkt hängt zunächst alles vom Bundesverfassungsgericht ab. Es verhandelt am 8. November grundsätzlich über die Situation im deutschen Wettwesen, um die Frage zu klären, wer Wetten offiziell anbieten darf. Die Situation ist unübersichtlich. Das Wettmonopol liegt zwar bei der Staatlichen Klassenlotterie, die die Sportwette Oddset anbietet. Damit sollen Manipulationen möglichst verhindert werden. Seit dem Skandal hat Oddset die Vorsichtsmaßnahmen verschärft.

Doch dieses Monopol wird unterlaufen. Mehrere Anbieter sind mit Hilfe von ostdeutschen Lizenzen, die nach der Wende nicht mittels klarer Regelungen unwirksam wurden, auf dem Markt. Diese Anbieter sponsern teilweise sogar Bundesligavereine. Die Unternehmen heißen Betandwin, Interwetten oder Sportwetten Gera. Nach Ansicht von Oddset arbeiten diese Anbieter illegal. Allerdings gibt es dazu noch kein höchstinstanzliches Urteil. Die privaten Anbieter wollen nun endlich aus der juristischen Grauzone kommen.

Auch der DFB will juristische Klarheit. „Es gibt eine Lücke zwischen Realität und Recht“, sagt DFB-Präsident Theo Zwanziger. Er provoziert damit Widerstand von Oddset. Der Anbieter wehrt sich juristisch gegen den Verlust seines Monopols. Oddset ist nicht bloß Sponsor der Fußball-WM 2006, sondern auch einer der größten Geldgeber des Sports. „Da stellt sich die Frage, ob wir unter diesen Bedingungen den Sport weiter so fördern können wie bisher“, sagt Hans-Jürgen Reißinger, Vorstand der Staatlichen Klassenlotterie Berlin. Nach dem Urteil der Verfassungsrichter wird er eine Antwort geben.

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