Sport : Das Gesetz des Schweigens

Mythos, Tod und Risiko im Radsport

Mathias Klappenbach

Der Bielefelder Covadonga Verlag ist auf Radsport spezialisiert und bringt so interessante Bücher heraus wie jetzt die deutsche Übersetzung der Lance-Armstrong-Biografie von Daniel Coyle. Noch lesenswerter als das Buch über den nach Dopingvorwürfen nicht mehr so strahlenden Helden der Tour de France ist aber eine andere Neuerscheinung. Sie widmet sich den in den vergangenen Jahren auffällig vielen jung verstorbenen Radsportlern. Verkehrsunfälle, Stürze im Rennen, die Häufung plötzlicher Herzversagen nachts im Bett: Der Journalist Andreas Beune hat 20 Porträts über Fahrer geschrieben, die in den letzten 15 Jahren zu Tode gekommen sind.Viele von ihnen sind an der großen Erwartungshaltung gescheitert, oft in Zusammenhang mit ihrer Sucht nach erlaubten und unerlaubten Substanzen. Das gilt nicht nur für spektakuläre Fälle wie den von Marco Pantani. Die persönlichen Geschichten geben einen tiefen Einblick in die Seiten des Radsports, die bei den Übertragungen der Tour de France im Verborgenen bleiben.

Die Einzelschicksale werden in einen Zusammenhang gesetzt, der nicht als Anklage, sondern als anschauliche Aufklärung geschrieben ist. Beune gelingt es zu erklären, warum Mythen und Faszination der „literarischen“ Sportart eng mit Tod und Risiko verbunden sind. Beim Massensprint, bei der halsbrecherischen Abfahrt, aber auch im Hotelzimmer: Das Buch beleuchtet die Dopingkultur und die Gesetze des Schweigens in diesem Extremsport von vielen Seiten und hilft so, sie besser zu verstehen. Wie sagte doch der Brite Tom Simpson, der 1967 bei der Tour unter dem Einfluss von Dopingmitteln auf dem Rad zusammenbrach: „Wenn mich zehn umbringen, dann gib mir neun.“

— Andreas Beune: Did Not Finish. Der Radsport und seine Opfer. Covadonga Verlag. 300 Seiten, 19,80 Euro.

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