Sport : Das Gesicht der Zukunft

Die 17-jährige Maria Scharapowa schlägt Serena Williams 6:1, 6:4 und ist die zweitjüngste Wimbledon-Siegerin aller Zeiten

Benedikt Voigt

London/Berlin. Der erste Weg führte Maria Scharapowa auf die Tribüne des Centre Courts in Wimbledon. Die 17-jährige Russin eilte ihrem Vater Juri entgegen, der seinen Platz verlassen hatte. Als sich beide zwischen den Zuschauerreihen in die Arme fielen, wollte der Vater seine Tochter nicht mehr loslassen. Maria Scharapowa hatte den langen Weg vollendet, auf den sie ihre Eltern vor zehn Jahren geschickt hatten: Sie ist Wimbledon-Siegerin.

Es war ein beeindruckendes Match. Mit 6:1, 6:4 entthronte sie die Titelverteidigerin Serena Williams, die in den beiden Vorjahren das Rasenturnier an der Church Road gewonnen hatte. „Es war nicht mein Tag“, sagte die Verliererin, „aber Maria hat ein wirklich großes Match gespielt.“

Tatsächlich hatte die blonde Russin ihre Gegnerin im ersten Satz überraschenderweise vollkommen im Griff. Erst im zweiten Satz entwickelte sich ein spannendes Match. Das neunte Spiel im zweiten Satz beim Stand von 4:4 sollte die Entscheidung bringen. Scharapowa konnte zunächst zwei Breakbälle nicht nutzen, doch auch Serena Williams gelang es nicht, das Spiel für sich zu entscheiden. Bei Vorteil für die Russin rutschte Serena Williams auf dem Rasen aus und schlug den Ball ins Aus. Es war das wichtigste Break des Matches. Mit ihrem zweiten Matchball holte sich Maria Scharapowa den ersten Grand-Slam-Sieg ihrer Karriere. Anschließend bekam sie die Trophäe überreicht, die bereits so viele berühmte Tennisspielerinnen in der Hand gehalten haben.

Während des Spiels hatte die 17-Jährige eine reife Leistung gezeigt, doch bei der Siegerehrung kicherte sie altersgemäß, als ihr Handy auf dem Centre Court nicht funktionieren wollte. Dann bedankte sie sich bei ihrem Vater, der auf der Tribüne mitgefiebert hatte. „Es muss hart sein, mir zuzuschauen“, sagte Scharapowa, „ich verdanke ihm alles.“

Nach Martina Hingis, die ebenfalls mit 17 siegte, ist Maria Scharapowa die zweitjüngste Gewinnerin in Wimbledon. Ihre Karriere ist von den Eltern von Beginn an geplant worden. Der entscheidende Schritt dürfte wohl der Umzug als Siebenjährige von Russland in das Tenniszentrum von Nick Bollettieri gewesen sein. Inzwischen ist die Russin amerikanisiert, wie ihr Akzent zeigt. Sie ist nun endgültig das Gesicht der Zukunft im Frauentennis. Der Sieg von Wimbledon dürfte ihrer Karriere den letzten Schub geben. Bisher überzeugte sie bereits durch gutes Aussehen, weshalb die Agentur IMG Models sie im vergangenen Jahr unter Vertrag nahm. Nun kommt auch noch der sportliche Erfolg hinzu.

Die Zuschauer an der Church Road dürfen sich schon auf das nächste Jahr freuen. „Danke, dass ich mir die Schale für ein Jahr ausleihen kann“, sagte sie. Kampflos wird Serena Williams die Trophäe jedoch nicht zurückbekommen. Scharapowa sagte: „Ich werde noch für viele weitere Grand-Slam-Siege kämpfen.“

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