Sport : Das Gesicht des Turnens

Fabian Hambüchen ist der neue Star des Sports

Jürgen Roos[Stuttgart]

Der junge Mann versucht möglichst cool zu sein – aber dann bekommt er doch rote Backen. Und das ausgerechnet bei einer Frage, die er seit den Olympischen Spielen in Athen schon hundert Mal beantwortet hat. Der Rummel? Die Medien? „Na ja“, sagt Fabian Hambüchen, „ich versuche mich auch weiterhin nur auf die Schule und das Training zu konzentrieren – den Rest besorgen mein Manager und mein Vater.“ Keine Überraschung diese Antwort, auch sie hat der Turner aus Wetzlar seit den Spielen schon hundert Mal gegeben. Überraschend ist eher, wie professionell und routiniert diese Pressekonferenz am Rande des DTB-Pokals in der Stuttgarter Schleyerhalle abläuft. Die Maschinerie um Fabian Hambüchen ist angelaufen.

Der Manager: Schon vor Olympia sei der Kontakt zustande gekommen, betonen die Beteiligten. In Athen hat Klaus Kärcher erste Koordinationsaufgaben übernommen. Nachdem Hambüchen im Reckfinale auf den siebten Platz geturnt war und knapp zehn Millionen Deutsche live vor dem Fernseher dabei waren, war die Hilfe des erfahrenen Sportmanagers nötig. Fernsehauftritte, Zeitungsinterviews und viele andere Anfragen waren abzustimmen. „Jetzt sagen wir vieles ab“, sagt Hambüchen. Aber dieser Hunger nach einem neuen Gesicht, der war auch gestern beim Stuttgarter Weltcup-Turnier wieder deutlich zu spüren.

Das Gesicht. Gerade mal 17 Jahre alt, 1,60 Meter groß, dazu auch noch Brillenträger. Ein Phänomen, dass Hambüchen sich so ins Gedächtnis eingraben konnte, obwohl er in Athen nicht einmal eine Medaille gewonnen hatte. Als das ZDF vor kurzem die hundert beliebtesten Sportler des Jahrhunderts wählen ließ, landete Hambüchen auf Platz 63. Gerade mal drei Plätze hinter der Kunstturnlegende Eberhard Gienger. Und der war 1974 immerhin Weltmeister am Reck. „Er war das positive Gesicht dieser Olympischen Spiele“, sagt Manager Kärcher. „Hambüchen kann für das Turnen werden, was Boris Becker für das Tennis war und Michael Schumacher für den Motorsport.“ Das klingt übertrieben, könnte aber durchaus möglich sein. Kärcher war immerhin der Mann, der aus der Sportgymnastin Magdalena Brzeska einen Star gemacht hat. Auch die Eisschnellläuferin Friesinger hat der Stuttgarter geschickt platziert – weit über Deutschland hinaus. Aber das Management ist nicht alles, auch die sportliche Entwicklung muss Schritt halten – und das ist der Part, für den Wolfgang Hambüchen zuständig ist.

Der Vater: Irgendwann nach den Olympischen Spielen hat Wolfgang Hambüchen gemerkt, dass der Rummel für seinen Sohn zu viel wird – und dann hat er die Bremse gezogen. „Da musste etwas passieren“, sagt Hambüchen. Der hessische Landestrainer, der seinen Sohn von frühester Kindheit an mit ins Leistungszentrum in Wetzlar genommen hat, befürchtete, dass die sportliche Entwicklung unter der plötzlichen Popularität leidet. Er sorgte dafür, dass sein Sohn wieder in den Alltag zurückgekehrt ist. Schule, Hausaufgaben, Training – so lautet Hambüchens Stundenplan. Andere Termine gibt es jetzt nur noch am Wochenende. Manchmal bekommen die Hambüchens nicht einmal mit, wenn wieder ein Fernsehbeitrag ausgestrahlt worden ist. „Viele Sachen gehen ganz schön an uns vorbei“, sagt der Trainervater, „und das ist auch gut so.“

Viel lieber doziert Wolfgang Hambüchen darüber, wie es gelungen ist, aus einem Bewegungstalent einen Turner zu machen, der auf dem Sprung in die Weltspitze ist. „Fabian hat eine sehr große Liebe zum Trampolin, zur Akrobatik, zum schwerelosen Flug“, sagt er. Diese Liebe hat der Vater gefördert, und seit zehn Jahren wird die Aufbauarbeit vom Biomechaniker Mauno Nissinen begleitet. „Wie bei einem Mosaik“, sagt Hambüchen, sei Stück für Stück zusammengefügt worden. Und es müsse weiter gebaut werden: „Unsere Arbeit war von Anfang an nicht auf kurzfristige Erfolge aus.“

Fabian Hambüchen, der Athlet, denkt an Peking 2008 und an die Olympischen Spiele 2012. „2008 möchte ich ein richtig guter Mehrkämpfer sein“, sagt er. Die Experten trauen dem 17-jährigen Turner schon ab 2005 internationale Medaillen zu. Eine Perspektive, die sowohl dem Manager als auch dem DTB gut gefällt.

0 Kommentare

Neuester Kommentar