Sport : Das geübte Endspiel

Meister Eisbären empfängt Mannheim

Claus Vetter

Berlin - Entschlossen böse schauen sie drein, die drei Herren auf dem in kühlem Blau gehaltenen Poster, das seit einiger Zeit in Mannheim plakatiert wird. Unter den Köpfen des Trios ist der Slogan „Jetzt erst recht!“ zu lesen. Über den Männern in Trikots steht ein Einkaufstipp: „Sichern Sie sich Ihre Dauerkarte für die Eishockey-Saison 2006/2007“ – bei den Mannheimer Adlern. Dass der viermalige Meister der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) zum Saisonstart mit Gesichtern seiner Spieler um Kundschaft buhlt, kommt nicht von ungefähr. Die zurückliegende Saison war der blanke Horror für den seit Jahren dank des Geldes von SAP-Gründer Dietmar Hopp gut gestellten Klub: Teures Team, neue Riesenhalle, mehr Zuschauer denn je – und dann der sportliche Absturz. Erstmals in der DEL-Geschichte verpassten die Adler die Play-offs.

Nach der Pleite gab es Kritik am Manager, lag doch Marcus Kuhl mit seiner Personalpolitik kräftig daneben. Kuhl hatte Mitte der Saison den US-Amerikaner Greg Poss vom Deutschen Eishockey-Bund (DEB) losgeeist und den damaligen Bundestrainer, unter dessen Regie das Nationalteam in die Zweitklassigkeit abstürzte, mit einem Vertrag bis 2008 ausgestattet. Mit Poss lief es noch schlechter als mit Vorgänger Stéphane Richer. Die Adler verpassten die Play-offs um elf Punkte. Jetzt ist Poss mit Teal Fowler ein zweiter Coach an die Seite gestellt worden. Das einzig gleichberechtigte Trainer-Duo der DEL hat neben den Eisbären den größten Kader. Vor der Saison meldete Mannheim Zugänge in Mannschaftsstärke: 21 neue Profis kamen. Die Mannschaft um Nationaltorwart Robert Müller ist das teuerste Team der Liga, kostet allein an Gehältern insgesamt weit über drei Millionen Euro. Der um knallige Worte selten verlegene Poss sagt: „Unser Klub verfügt über den höchsten Etat, da würde es nicht passen, wenn ich tiefstapeln würde. Wir sind Titelfavorit.“ Düsseldorf und die Eisbären kämen für eine Finalteilnahme infrage, glaubt Poss.

Dann kann ja heute beim ersten Spiel der DEL-Saison im Sportforum Hohenschönhausen (18.30 Uhr) schon mal Endspiel geübt werden. Denn der Meister empfängt den Meisterschaftsfavoriten. Die Adler zeigten sich zum Auftakt am Freitag beim 3:0 gegen Frankfurt schon in Form. Ähnlich sah es bei den Berlinern aus, die 3:1 in Krefeld siegten. Zudem haben sie Aussicht auf Verstärkung: Der kanadische Stürmer Denis Pederson nimmt noch für drei Wochen an einem Trainigslager beim NHL-Klub St. Louis Blues teil. „Bekommt er in den USA keinen Vertrag, dann kommt er zu uns zurück“, sagt Eisbären-Manager Peter John Lee.

In Mannheim halten sie derweil nicht mehr Ausschau nach Verstärkungen. Am Freitag kamen sie mit ihrem neuen Personal prächtig zurecht. Nebenbei war auch die Werbekampagne ein Erfolg: 13 600 Zuschauer sahen in der vollen SAP-Arena das 3:0 gegen Frankfurt. 5000 Dauerkarten sind in Mannheim schon verkauft. Zum Vergleich: 1350 Saisontickets haben die Eisbären an den Fan gebracht. Aber in zwei Jahren in der neuen Berliner Arena, der O2-World, soll das Volk ja dann zum Eishockey strömen. Und immerhin eines haben die Eisbären den Adlern zurzeit voraus: Sie spielen seit vier Jahren auf hohem Niveau, Plakate mit Durchhalteparolen sind in Berlin nicht nötig.

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