Sport : Das Gewicht der Fahne

Barthel verliert Fed-Cup-Debüt – Kerber gleicht aus.

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Auf die Zähne gebissen. Trotzdem verlor Mona Barthel das Auftaktmatch. Foto: dpa
Auf die Zähne gebissen. Trotzdem verlor Mona Barthel das Auftaktmatch. Foto: dpaFoto: dpa

Stuttgart - Es kommt nicht oft vor, dass Barbara Rittner so richtig wütend wird. Gemeinhin ist die Bundestrainerin umgänglich und als „Mutter der Kompanie“ bei den deutschen Tennis-Frauen sehr beliebt. Aber vor drei Monaten konnte und wollte Rittner am Rande der Australian Open nicht verbergen, dass sie mächtig sauer war. Sauer auf Mona Barthel, die gerade für das wichtige Relegationsspiel gegen Frankreich abgesagt hatte. Barthel eröffnete ihr damals, sie wolle sich ganz auf ihre Einzelkarriere konzentrieren und daher auf ihren ersten Fed-Cup-Einsatz verzichten. „Ich bin sehr enttäuscht“, sagte Rittner, die durch zahlreiche Verletzte fest auf Barthel gesetzt hatte, und kündigte an: „Wenn wir das nächste Mal ein schönes Heimspiel haben, glaube ich nicht, dass Mona dann spielen wird.“

Nun spielt das deutsche Team an diesem Wochenende in der Relegation gegen Serbien um die Rückkehr in die Weltgruppe. Und in der Stuttgarter Arena vor 4400 Zuschauern gab Barthel dann doch ihr Debüt. In einer umkämpften Partie auf eher mäßigem Niveau unterlag sie der Weltranglisten-17. Ana Ivanovic mit 6:7, 6:2 und 2:6. Angelique Kerber wurde anschließend gegen Bojana Jovanovski ihrer Favoritenrolle gerecht und glich mit ihrem souveränen 7:5, 6:2-Sieg für die deutsche Mannschaft aus.

„Ich war sehr nervös“, erklärte Barthel später, „es ist doch etwas anderes, wenn man für die Mannschaft und das ganze Land spielt.“ Barthel war es fast mit Ansage so ergangen, wie all ihren Kolleginnen zuletzt bei deren Debüts. Das Gewicht der deutschen Fahne hatte bei allen zu schwer auf den Schultern gelastet. „Auf Fed-Cup reagiert jeder anders“, sagte Barthel, „entweder spielt man sein bestes Tennis oder ist durch die Situation überfordert.“

Rittner wusste um das Phänomen, jedoch war die Ausgangslage nicht ideal. Julia Görges musste aufgrund von „körperlichen Problemen“ kurzfristig passen, Andrea Petkovic ist nach langer Verletzungszeit noch keine Option. Damit blieben Sabine Lisicki und Barthel als Alternativen für das zweite Einzel übrig.

Barthel ist als Neuling in die gewachsene Gruppe integriert, obwohl Kolleginnen wie Görges ihre Absage gegen Frankreich öffentlich kritisiert hatten und Barthel im Touralltag lieber ihren eigenen Weg geht. Anfang des letzten Jahres war Barthel erstmals ins Rampenlicht gestürmt, aber ihr ging schnell die Puste aus. „Ich war mental und physisch ausgelaugt, so viel hatte ich noch nie gespielt“, sagte die 22-Jährige. In den letzten Wochen zeigte die Formkurve nach dem Turniersieg in Paris wieder nach oben. Auch gegen Ivanovic gelang es Barthel nach verkrampftem Auftakt. Die Nummer 28 der Welt wirkte nervös, drehte einen 2:5-Rückstand zwar noch zum 6:6, doch den Tiebreak verlor Barthel. Im zweiten Durchgang reduzierte sie ihre eklatante Fehlerquote und nutzte die Aufschlagschwäche von Ivanovic. Zuletzt häuften sich bei Barthel aber wieder die dicken Patzer, die man gegen eine ehemalige Nummer eins vermeiden muss. Aber Barthel kann nicht anders: Sie spielt nur alles oder nichts.Petra Philippsen

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