Sport : Das gläserne Dach

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Gemessen an den verlautbarten Saisonzielen ist nicht viel passiert im Mikrokosmos Füchse Berlin. Nach zehn Spieltagen in der Handball-Bundesliga findet sich die Mannschaft von Trainer Dagur Sigurdsson auf Rang drei wieder, in der Champions League hält sie ruhigen Achtelfinal-Kurs. Auf den zweiten Blick haftet den jüngsten Niederlagen im Pokal gegen Nettelstedt und nun gegen Flensburg trotzdem etwas Eigenwilliges an. Die Füchse leisteten sich etwas, das man eigentlich nicht von ihnen kennt: unerklärliche Schwächephasen, in denen sie bis dahin umkämpfte Begegnungen einfach so herschenkten. In Nettelstedt und Flensburg zerfiel die Mannschaft.

Nach dem ersten Saisondrittel verfestigt sich der Eindruck, dass die Füchse in ihrer rasanten Entwicklung vom Aufsteiger zum etablierten Bundesligisten bis hin zum ständigen deutschen Europapokal- Vertreter an eine Grenze gestoßen sind, quasi an ein gläsernes Dach. Sie sehen und wollen ja durchaus mehr, sie wollen in absehbarer Zeit einen Titel holen. Es ist jedoch keine gewagte Prognose, dass es dafür vorerst nicht reichen wird. Erstmals seit Jahren scheint es in der Sommerpause nicht gelungen zu sein, die Mannschaft weiter zu verstärken. Auf dem Papier stehen mit Börge Lund und Konstantin Igropulo zwar zwei namhafte Neuzugänge, auf dem Feld fehlt dem Team jedoch die Souveränität vergangener Tage.

Aber konnte man tatsächlich erwarten, dass die Mannschaft weiter von Jahr zu Jahr ins Final-Four der Champions League einzieht und im Vorbeigehen die weltbeste Handball-Liga aufmischt? Wer das tut, der kann, bei allem Respekt, auch gleich auf Hannover-Burgdorf als kommenden Deutschen Meister setzen.

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