Sport : Das Glück des Mächtigen

Tabellenführer FC Bayern München profitiert beim 2:1-Erfolg in Leverkusen von einem späten Eigentor.

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Schulter und Schluss. Nach einem abgefälschten Freistoß prallt in der 87. Minute der Ball an den Körper des Leverkusener Verteidigers Philip Wollscheid (Dritter von rechts) – und springt anschließend zum Siegtreffer der Bayern ins Tor. Foto: dpa
Schulter und Schluss. Nach einem abgefälschten Freistoß prallt in der 87. Minute der Ball an den Körper des Leverkusener...Foto: dpa

Jupp Heynckes hatte wenig zu bemängeln. „Wir haben eine gute Reaktion gezeigt, das hat mir teilweise sehr gut gefallen“, sagte der Trainer des FC Bayern am Samstagabend nach dem 2:1 (1:0)-Sieg seines Teams in Leverkusen. Das war ein freundliches Urteil, in Wahrheit hatte der Bundesliga-Spitzenreiter vor 30 210 Zuschauern in der Leverkusener Arena nur in der ersten Halbzeit gut gespielt und in den zweiten 45 Minuten abgebaut; was Heynckes, ebenfalls großzügig, als „gut gekämpft“ wertete.

Aber warum sollte er seine Mannschaft auch kritisieren? Drei Punkte sind drei Punkte, außerdem hatte den Part des bösen Mahners ohnehin schon Klub-Präsident Uli Hoeneß übernommen, als er den Bayern nach dem 0:2 gegen Arsenal in der Champions League vorgeworfen hatte, sie spielten seit Wochen „schönen Dreck“ zusammen. „Es ist sein Recht, seine Meinung zu sagen, wir nehmen das zur Kenntnis“, sagte Heynckes lächelnd. Vielleicht hatte er vorher auch auf die aktuelle Tabelle geschaut. Die Münchner haben nach 26 Spieltagen 20 Punkte Vorsprung auf Borussia Dortmund.

Bayer-Teamchef Sami Hyypiä hatte nach dem europäischen Malheur der Bayern einen hoch motivierten Gegner erwartet. „Wir müssen in allen Bereichen hundert Prozent geben, sonst haben wir keine Chance“, sagte er. In der ersten Halbzeit erreichten seine Profis höchstens 70 Prozent; sie spielten devot, trauten sich überhaupt nichts zu gegen das runderneuerte Münchner Team, in dem Rafinha, Jerome Boateng und Xherdan Shaqiri für Philipp Lahm, Daniel van Buyten und Thomas Müller zum Einsatz kamen. Auch stürmte Mario Gomez anstelle von Mario Mandzukic.

Locker bestimmten die Münchner zunächst das Spiel, die Leverkusener verteidigten, ohne den Bayern weh zu tun. So zogen die Münchner ein paar hübsche Angriffe auf, bevor Gomez in wunderbarer Art das 1:0 markierte. Shakiri hatte an der Mittellinie auf den Nationalstürmer gepasst, der den Ball mit der Brust annahm, sich gegen Daniel Carvajal und Sebastian Boenisch durchsetzte – und aus etwa zwölf Metern vollendete. Kurz zuvor hatte Boenisch Bayern-Keeper Manuel Neuer mit einen Schuss aus 20 Metern geprüft – es war die einzige Leverkusener Chance in den ersten 45 Minuten.

Die Gastgeber, die zuvor nur ein Heimspiel verloren hatten, wurden erst nach dem Seitenwechsel mutiger. Sidney Sam kam für den enttäuschenden André Schürrle, und er belebte die Offensive, die nun deutlich mehr vom Spiel hatte. Das hing auch damit zusammen, dass die Bayern weitgehend den Betrieb einstellten. Es sah so aus, als trauten sie den braven Bayer-Profis nicht mehr viel zu – und vor allem kein Tor. Sie erhielten die Quittung für die übertriebene Lässigkeit. Einen Eckball von Gonzalo Castro verlängerte Boenisch mit dem Kopf zu Simon Rolfes, der aus kurzer Distanz den Ausgleich erzielte.

Bayer Leverkusen blieb dominant, das Glück aber war auf Seiten der Gäste, denen in der 87. Minute der Siegtreffer gelang. Nach einem Freistoß von Bastian Schweinsteiger prallte der Ball an die Schulter von Bayer-Verteidiger Philipp Wollscheid – und von dort zum 1:2 ins Tor. „Der Ball wird drei Meter vor mir abgefälscht, das ist einfach sehr unglücklich“, sagte Wollscheid.

Am Ende gab es noch Neues zur Zukunft des offenbar zerstrittenen Leverkusener Trainergespanns. Laut Sportchef Rudi Völler wird Teamchef Sami Hyypiä dem Verein über die Saison hinaus erhalten bleiben. Noch nicht sicher ist dagegen, ob Trainer Sascha Lewandowski ebenfalls weitermachen will. Er sei sich nicht sicher und müsse sich die Sache überlegen, sagte der 41-Jährige, der im Gegensatz zu Hyypiä eine Trainerlizenz besitzt.

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