Sport : Das Glück kehrt zurück

Die Basketballer von Alba Berlin wehren sich, das Ende der Meister-Ära hinzunehmen

Benedikt Voigt

Berlin - Kennedy umklammert DeJuan Collins’ Hals und möchte am liebsten gar nicht mehr loslassen. „Du musst runter“, sagt der Basketballprofi von Alba Berlin zu seiner Tochter, „ich muss noch mit den Reportern reden.“ Nur widerwillig kommt Kennedy im Empfangsraum der Max-Schmeling-Halle dieser Aufforderung nach und klettert von Collins’ Arm. Vierjährige Mädchen verzichten einfach sehr ungern auf ihre Väter. Daher wäre es der jungen Dame mit den weißen und rosa Perlen im Haar sicherlich entgegengekommen, wenn die Saison für Alba Berlin am Freitagabend zu Ende gegangen wäre. Dann hätte der Papa Urlaub gehabt. Doch Collins hatte etwas dagegen.

Es fehlte nicht viel, und die Ära von Alba Berlin wäre nach sieben Meistertiteln in Folge vorbei gewesen. „Wenn der eine oder andere Dreier am Schluss reingefallen wäre, wären wir als Sieger vom Feld gegangen“, sagte Dirk Bauermann, Trainer von GHP Bamberg. Doch dies sollte der Abend sein, an dem das Glück zu Alba Berlin zurückkehrte. Unter dem ohrenbetäubenden Jubel der Alba-Fans unter den 8650 Zuschauern fiel DeJuan Collins’ Dreipunktewurf 52 Sekunden vor dem Ende zum 66:63 durch den Korb. Es war die Entscheidung. Nach dem 73:63 liegt der noch amtierende Meister in der Best-of-five-Serie gegen Bamberg nun mit 1:2 in Rückstand. Allerdings kann Bamberg im heutigen vierten Spiel mit einem Heimsieg ins Finale einziehen. „Wir wollen diese Chance mit aller Kraft wahrnehmen“, sagte Bauermann.

Es war nicht so, dass alle Mankos dieser Saison bei Alba verschwunden wären. Die Flügelspieler Vladimir Petrovic, Stefano Garris und Marko Pesic, die insgesamt acht Punkte erzielten, waren ihrem Team erneut keine große Hilfe. Auch bot Alba nicht jene Gemeinschaftsleistung, wie sie Bamberg in dieser Halbfinalserie zeigt. Entschieden wurde die Partie durch die spektakuläre Einzelleistung von DeJuan Collins, der in der zweiten Halbzeit 16 seiner 22 Punkte erzielte. „Er war der Schlüssel zum Sieg“, sagte Bauermann. Dennoch hat Alba einiges besser gemacht als in den beiden Spielen (57:69, 73:82) zuvor.

Die Berliner zeigten erstmals den größeren Willen, das Spielfeld als Sieger verlassen zu wollen. „Wir haben sie müde gekämpft“, sagte Albas Vizepräsident Marco Baldi. Personifiziert wurde dieser Kampfgeist von Henrik Rödl, dem Trainer Emir Mutapcic erstmals in dieser Halbfinalserie länger vertraute. 20 Minuten durfte der Routinier spielen, und er dankte es, indem er unerbittlich gegen Geert Kullamäe und Jason Sasser verteidigte und fünf Punkte erzielte. „Er hat sehr gut gespielt“, sagte Mutapcic. Warum brachte er ihn nicht schon in den ersten beiden Spielen länger als zwei Minuten? „Es ist sehr schwer, zwölf Spieler einzusetzen“, verteidigt sich Mutapcic, „außerdem haben wir versucht, mit zwei oder drei Guards zu spielen.“ Vizepräsident Marco Baldi sagt: „Mutapcic hatte sich so entschieden.“

Zudem gewann Jovo Stanojevic das Centerduell. Sein Gegenspieler Chris Ensminger musste mit fünf Fouls vom Feld, ohne einen Punkt erzielt zu haben. Bauermann beschwerte sich über die Referees: „Wir haben 20 Freiwürfe weniger als Alba bekommen.“ Doch auch die Berliner fühlten sich benachteiligt. „Das ist Ringkampf, wie gegen Stanojevic gespielt wird“, sagte Baldi.

Bamberg hofft nun, dass die erste Niederlage in den Play-offs heute keine Nachwirkungen zeitigt. „Die Mannschaft fährt mit der Gewissheit nach Hause, dass sie die gleiche Qualität hat wie Alba“, sagte Bauermann. Baldi hofft auf das gestiegene Selbstbewusstsein seines Teams. Und Kennedy hofft, dass der Papa bald wieder nach Hause kommt.

Heute im Fernsehen:

GHP Bamberg – Alba Berlin

live im DSF und auf TV Berlin

Spielbeginn 15 Uhr

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