Sport : Das Glückslos aus Amerika

Super-Bowl-Sieger Rohan Davey soll beim Footballteam Berlin Thunder reifen

Ingo Wolff

Berlin. Rohan Davey hat eigentlich schon alles hinter sich. Er hat mit 25 Jahren bereits das geschafft, wovon fast jeder männliche Amerikaner träumt: einmal als Quarterback den Super Bowl gewinnen und damit zum Held werden. Rohan Davey war vor zwei Wochen tatsächlich dabei, als seine New England Patriots in Houston das Finale der National Football League gewonnen haben. Doch die Sache hat einen Haken: Der Spielmacher wurde nicht eingesetzt. Er stand – wie schon in der gesamten Saison – in seiner Ausrüstung am Spielfeldrand und wartete vergebens auf seine Chance. Der erste Quarterback, Tom Brady, spielte eine sehr gute Partie und warf mit seinen Pässen die Patriots zum größten Sieg, den ein Team im Football erreichen kann. Pech für den Ersatzmann. Immerhin kann er sagen, dass er dabei war. „Für mich war der Sieg nach der Geburt meiner Tochter der größte Moment in meinem Leben“, sagt Rohan Davey.

Doch weil das reine Dabeisein im Ernstfall für einen jungen Spielmacher nicht reicht, will ihm Trainer Bill Belichick mehr Spielpraxis geben. Denn außer im Training und in einigen Saisonvorbereitungsspielen konnte Davey noch nie beweisen, was er in seiner Collegezeit gelernt hat. Das, was ihn dort zum erfolgreichsten Quarterback der Louisiana State University gemacht hat. Deshalb soll er für eine Saison zu Berlin Thunder in die NFL Europe. Noch immer ist es keine große Auszeichnung für einen Spieler, nach Europa geschickt zu werden, doch seit Kurt Warner nach seinem Jahr in Amsterdam die St. Louis Rams direkt zum Super Bowl führt, hat die ehemalige Nachwuchsliga den Ruf eines hervorragenden Ausbildungszentrums. „Es gibt keinen Ersatz für Spielpraxis“, sagt Belichick. „Deswegen ist Berlin Thunder eine gute Chance für ihn.“

Für Thunders neuen Trainer Rick Lantz ist die Zuteilung ein Glücksfall. Noch immer haben die Trainer nur begrenzten Einfluss auf ihr künftiges Team. Die Europaliga, die am 4. April startet, soll nach Wunsch der NFL ausgeglichen sein und den 32 Teams nach Abschluss der Saison möglichst gut ausgebildete Spieler und damit hohen Nutzen zurückbringen. Immerhin finanzieren sie die NFL Europe zum Großteil. Deshalb wird so viel Zeit in die so genannte Allocation gesteckt, die Spieler werden effektiv auf die sechs Teams verteilt.

Davey passte nach Ansicht der Liga wohl am besten zum Spielsystem von Lantz. „Ich kenne ihn seit seiner Hochschulzeit“, sagt der Coach. Doch nicht nur Davey bringt Finalerfahrung mit, insgesamt kommen vier weitere Spieler aus New England. Sie werden ein offensives Spiel spielen. Das wünscht der neue Berliner Trainer Lantz, und das liegt auch Rohan Davey. „Ich bin ein großer und athletischer Quarterback“, sagt Davey, „ich freue mich, auf dem Feld zu stehen und den Ball nach vorn zu bringen.“ Mit dieser Wurftaktik hat es Tom Brady zum zweifachen Sieg im Super Bowl gebracht.

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