Sport : Das große Aufatmen

Der FC Bayern sieht sich auf dem richtigen Weg

Moritz Küpper

München - Oliver Kahn bevorzugte die bildhafte Sprache. „Wir haben links und rechts eine gekriegt“, sagte der Fußball-Nationaltorhüter, den Blick starr geradeaus gerichtet, als spüre er noch immer die Nachwirkungen der Niederlage gegen den Hamburger SV und der Nullnummer in Wolfsburg. „Und wie man gesehen hat: Dann geht es auf einmal wieder.“ Kahn ist Kapitän des FC Bayern und mit seinen 36 Jahren der Senior der Mannschaft. Keiner personifiziert das bayerische „Mia-san-mia“-Gefühl besser als er. Spielerisch sei der 3:0-Erfolg der Bayern gegen Schalke 04 zwar keine Offenbarung gewesen, räumte Kahn ein, doch er fand Wichtigeres. „Wir haben uns nicht den Schneid abkaufen lassen.“

Es war spürbar, dass die Bedeutung des Sieges den Abend überdauern würde. Die nationale Vormachtstellung der Bayern – nach dem bisherigen Saisonverlauf eigentlich ein Selbstläufer – war zuvor in Gefahr geraten. Fünf Punkte hatte der zweitplatzierte Hamburger SV an den vergangenen beiden Spieltagen gut gemacht, Schalke konnte sogar sieben Zähler aufholen. Internationale Auftritte der Münchner hatten sich nach der Pleite in Mailand erledigt. Zu der sportlichen Schwäche kam die Aufregung um Bastian Schweinsteiger und dessen angebliche Verwicklung in einen Wettskandal sowie die schwere Verletzung von Sebastian Deisler. Kurz: Die Situation war angespannt – und löste sich nach dem Schlusspfiff in Wohlgefallen auf.

Dabei passte es ins Kahn’sche Weltbild, dass es Hasan Salihamidzic war, der mit seinem Treffer zum 1:0 für Erleichterung sorgte. „Solche Leute braucht man in schwierigen Phasen“, sagte Kahn. Der kleine Bosnier, seit 1998 bei den Bayern, war unermüdlich die rechte Seite auf und ab gerannt, provozierte immer wieder seinen Gegner – und war letztlich erfolgreich. „Heute haben wir gezeigt, dass wir der FC Bayern sind“, sagte Salihamidzic, „dass wir wieder da sind.“

Sein Trainer stimmte ihm zu. „Wir sind durch eine schwierige Phase gekommen“, konstatierte Magath, „aber auch das ist eine Entwicklung der Mannschaft.“ Zwar war ursprünglich geplant, dass dieser Prozess auf internationalem Parkett stattfinden sollte, doch Magath ist Pragmatiker. „Sie können sicher sein“, sagte er lächelnd, „ich bin auch mit zwei Titeln zufrieden.“

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