Sport : Das große Fressen

Der Zweitligist 1. FC Köln fordert die Bayern heraus

Andreas Morbach

Köln. Immerhin, einen mittelgroßen Fresskorb, spendiert einigen ortsansässigen Unternehmen, haben die vielen niederlagenfreien Auftritte dieser Saison dem 1. FC Köln schon beschert. Fast beschert, muss man sagen. Denn Bierwürste und Wasserflaschen, hinter denen Kapitän Dirk Lottner am Montagmittag im Geißbockheim in die Kameras grinsen durfte, gibt es mitsamt dem ausgelobten Mannschaftsessen, Grillparty und täglich frischen Brötchen nur unter einer kleinen Bedingung: Die Mannschaft muss sich für das DFB-Pokal-Halbfinale qualifizieren. Dafür freilich benötigen die Kölner heute Abend einen Sieg beim FC Bayern München (20.30 Uhr, live in der ARD).

Einen Hang zu unkalkulierbaren Risiken kann man der Kölner Wirtschaft wohl nicht unterstellen. Wenngleich der Spitzenreiter der Zweiten Liga warnt: Wer sich seit dem Sommer in der Zweiten Liga, aber eben auch im DFB-Pokal erfolgreich gegen Niederlagen wehrt, vor dem muss sich auch der große FC Bayern in Acht nehmen. „Sie haben Respekt vor uns“, hat Kölns Trainer Friedhelm Funkel mitbekommen. „Und das ist auch begründet.“

So ähnlich sieht es auch der Kölner Kapitän Dirk Lottner. „Bayerns Einzelspieler sind alle stärker. Aber wir haben als Mannschaft einen Lauf und sind deshalb nicht chancenlos.“ Den Beistand der versammelten Fußballnation hat das einzige in dieser Saison noch unbesiegte Team Deutschlands im Olympiastadion jedenfalls sicher. Da die Bayern in der nationalen Liga kaum noch einzuholen sind, wäre ein Aus im Pokal – und das auch noch zu Hause gegen einen Zweitligisten – zumindest eine kleine Genugtuung für alle Konkurrenten des FC Bayern. Allerdings käme ein Erfolg der Kölner auch einer Provokation gleich: Wer lässt sich schon gerne von einem unterklassigen Klub zeigen, wie man mit dem Münchner Starsammelsurium umzugehen hat.

Kölns Trainer Friedhelm Funkel hat spätestens seit seinem Besuch des letzten Heimspiels der Bayern gegen Borussia Mönchengladbach eine klare Vorstellung vom Umgang mit dem Tabellenführer der Bundesliga. „Die beste Kontermannschaft Deutschlands“ hat er bei dem deutlichen 3:0 der Bayern gegen Gladbach ausgemacht. „Gerade zu Hause praktizieren die Münchner das besonders gerne: ein Tor schießen, dann den Gegner auskontern.“

Das Schicksal des Kölner Rivalen vom Niederrhein wollen sie sich ersparen. „Wir dürfen in der Vorwärtsbewegung keinen Fehler machen“, sagt der spröde Taktiker Funkel und träumt den Traum vom Spielverderber. „Bayern München ist aus der Champions League raus und will deshalb jetzt mit aller Macht das Double holen. In der Meisterschaft können wir das leider nicht verhindern, dafür im Pokal.“ Und es geht ja auch noch um den Fresskorb.

Manager Andreas Rettig wäre jedoch ein Hauptsponsor bedeutend lieber. Denn trotz neun Punkten Vorsprung auf einen Nichtaufstiegsplatz fehlt dem 1. FC Köln für die kommende Saison noch ein potenter Geldgeber. „Die Signale stehen zwar nicht schlecht", sagt der Manager, „aber es ist eben noch nichts klar.“ Der Live-Auftritt zur besten Sendezeit im öffentlich-rechtlichen Fernsehen kommt den Suchenden natürlich sehr gelegen. Von einer großartigen Plattform spricht Manager Andreas Rettig. „Ich hoffe nur, es warten nicht alle darauf, dass wir Pokalsieger werden.“

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