Sport : Das große Kleingeld

Der Uefa-Cup taugt nur bedingt dazu, die Finanzprobleme von Hertha BSC zu lösen

Stefan Hermanns

Berlin - Die Lektüre der Zeitungen bereitet Dieter Hoeneß, dem Manager von Hertha BSC, zurzeit nur mäßige Freude. Meistens ist da von den finanziellen Problemen des Berliner Fußball-Bundesligisten die Rede, doch unter all den schlechten Nachrichten hat Hoeneß gestern auch eine Schlagzeile entdeckt, die ihm in schwerer Zeit ein wenig das Herz erwärmt hat. In der „Bild“-Zeitung wird Marcelinho mit der Aussage zitiert: „Jetzt müssen wir dem Klub helfen.“ Dieter Hoeneß sagt: „Das ist ein gutes Zeichen.“

Es wäre zumindest eine Erste-Hilfe- Maßnahme, wenn die Mannschaft heute im heimischen Olympiastadion gegen RC Lens aus Frankreich gewinnt und damit im Uefa-Cup „einen großen Schritt Richtung überwintern“ tun würden, wie Hoeneß es ausdrückt. Mit dem zweiten Sieg im zweiten Gruppenspiel wäre Hertha so gut wie qualifiziert für die Runde der letzten 16. Das wäre ein schöner sportlicher Erfolg für den Klub. Die prekäre finanzielle Situation aber lässt sich im Uefa- Cup nur bedingt verbessern: Das große Geld ist in diesem Wettbewerb nicht zu verdienen, allenfalls das große Kleingeld.

In dieser Saison hat Hertha BSC im Uefa-Cup etwas mehr als eine Million Euro eingenommen, 250 000 Euro vom DSF, 350 000 Euro aus der ersten Runde gegen Nikosia und insgesamt 500 000 Euro aus der Gruppenphase. Das ist nicht zu vergleichen mit den Möglichkeiten, die die Champions League bietet. Hertha, mit rund 35 Millionen Euro verschuldet, hat den Wettbewerb um ein Tor verpasst. „Wir wollen sportlich möglichst erfolgreich sein“, sagt Hoeneß, „dann haben wir auch wirtschaftlich andere Möglichkeiten.“ So sei die Kausalität. Die Spieler sind nicht gezwungen zu gewinnen, weil sonst der finanzielle Kollaps droht. „Ich glaube, dass die Mannschaft nicht tangiert ist“, sagt Hoeneß über die aktuelle Diskussion und ihre Auswirkungen.

Die reale Bedeutung des Uefa-Cups steht in einem scharfen Widerspruch zu seiner angenommenen Attraktivität. Seit dem Aufstieg 1997 hat Hertha zwölf Heimspiele im Uefa-Cup ausgetragen, nur zweimal (gegen Aberdeen und Inter Mailand) waren mehr als 30 000 Zuschauer im Olympiastadion, dafür siebenmal weniger als 20 000. Für die Begegnung gegen Lens sieht es nicht viel besser aus. Bisher sind 16 000 Karten verkauft worden, Hoeneß hofft auf 25 000 Zuschauer, der Oberring bleibt wie schon gegen Nikosia und im DFB-Pokal gegen Mönchengladbach auf jeden Fall geschlossen.

Der dürftige Zuschauerzuspruch hat verschiedene Gründe: Die zum Teil abstrusen Anstoßzeiten sind einer, die unbedeutenden Gegner (Westerlo, Wronki, Grodzisk) ein anderer. Wenn Dieter Hoeneß über den heutigen Gegner RC Lens spricht, wirkt das unter diesen Voraussetzungen wie eine Werbekampagne: „Wir spielen gegen einen starken Gegner mit sehr guten Einzelspielern.“ Trainer Falko Götz hält die Mannschaft aus dem Norden Frankreichs sogar für „ein richtiges Schmankerl“. Lens war 1998 noch Französischer Meister und ist einer der beliebtesten Klubs des Landes, angesichts der Herkunft aus einer Bergbauregion eine Art französischer FC Schalke 04. Die Mannschaft hat sich im Sommer über den UI- Cup für den Uefa-Pokal qualifiziert, in der Meisterschaft ist sie seit 14 Spielen unbesiegt; allerdings spielte sie bereits zehnmal unentschieden und liegt in der Tabelle zurzeit nur auf dem neunten Platz.

Falko Götz muss gegen Lens auf Oliver Schröder verzichten, der sich am Wochenende beim Spiel in Dortmund eine Fußprellung zugezogen hat. Für den Rest der Mannschaft hofft Hoeneß, dass die Niederlage eine eher therapeutische Wirkung hatte: „Manchmal braucht sie einen kleinen Klaps, damit sie sich auf die eigenen Qualitäten besinnt.“

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