Sport : Das große Schweigen

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Heute in einer Woche werden Sie vielleicht von Schiedsrichter Marco Antonio Rodriguez wissen wollen, warum er Philipp Lahm mit der zweiten Gelben Karte vom Platz gestellt hat. Weil der deutsche Nationalspieler den Australier Tim Cahill umgegrätscht hat? Oder doch, weil er im anschließenden Wortgefecht mit seinem Gegenspieler ein unfreundliches Wort benutzt hat? Sicher ist: Sie werden es nicht erfahren.

Auch beim WM-Turnier in Südafrika dürfen die Schiedsrichter keine Interviews geben. Weder vor noch nach den Spielen. Das hat der Fußballweltverband schon länger so gehalten, nun hat er es seinen Unparteiischen per Rundmail noch einmal eingeschärft. Die Schiedsrichter müssen alle ihre Interviews bis zum Abflug nach Südafrika abgeschlossen haben. Und dann schweigen. Nur an drei Terminen (in der Mitte des Turniers, nach den Viertelfinalspielen, vor dem Endspiel) stehen sie den Medienvertretern für Fragen zur Verfügung. Zu diesem Zeitpunkt könnte es freilich für manche Klärung einer Spielszene zu spät sein. Längst dürfte ein Schiedsrichter bis dahin als Buhmann einer Nation ausgemacht sein, ohne eine Gelegenheit zur Verteidigung zu haben.

Es ist nicht zu erklären, warum der Fußballweltverband an seiner Schweigepflicht festhält. Der Deutsche Fußball-Verband zeigt, dass es auch anders geht, hier dürfen die Schiedsrichter entscheiden, ob sie reden oder schweigen wollen. Das Verbot zeigt einmal mehr, dass die Fifa tatsächlich alle Kompetenzen an sich reißen will. Und dass es mit dem Fortschritt im Verband nicht weit her ist.

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