Sport : Das große Vorbild endlich geschlagen Ehning besiegt Beerbaum

und wird Deutscher Meister

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Mannheim (dpa). Marcus Ehning riss die Faust in die Höhe und schrie seine Freude laut hinaus, Ludger Beerbaum schaute enttäuscht zu. Der 28-jährige Ehning feierte bei den deutschen Meisterschaften der Springreiter den Sieg über sein großes Vorbild und nur zwei Wochen nach einem schweren Sturz seinen ersten Titelgewinn. Dank einer fehlerlosen Runde im Stech-Parcours mit For Pleasure ließ er den überragenden Reiter der letzten Jahre hinter sich, der mit Goldfever einen Abwurf hatte. Wesentlich leiser feierte später Nadine Capellmann (Würselen) mit Gracioso den Gewinn des Dressur-Titels.

„Ludger zu schlagen, ist eine besondere Genugtuung“, sagte Ehning zu seinem ersten großen Einzeltitel. Mit der Mannschaft hat er Gold bei Olympia und EM gewonnen, er nutzte diese Erfahrungen vor 7000 Zuschauern für die richtige Taktik, nachdem Beerbaum an einem Steilsprung gepatzt hatte. Vor zwei Wochen war Ehning beim Turnier in Hickstead mit For Pleasure in ein Gatter gestürzt. „For Pleasure ist ein Phänomen“, sagte Ehning. Der immerhin schon 16 Jahre alte Fuchshengst erholte sich trotz schwerer Prellungen schnell von dem Sturz und wollte nach drei Tagen wieder an die Arbeit. „Es war so, als ob überhaupt nichts gewesen wäre. Er war wieder willig und hatte das Vertrauen“, sagte Ehning. „Was die nach so einem Erlebnis jetzt gemacht haben, ist absolut sensationell“, lobte der geschlagene Beerbaum. Sein eigener Plan misslang, als erster Reiter den Titel-Hattrick zu schaffen.

Mit dem Sieg in Mannheim sicherte sich Ehning endgültig sein Ticket für die in vier Wochen beginnende Weltmeisterchaft in Jerez. Offen ist, wer neben Ehning, Beerbaum und dem drittplatzierten Otto Becker (Mühlen/Cento) das vierte WM-Ticket bekommt. In der Dressur gewann Nadine Capellmann mit Gracioso vor Ann-Kathrin Linsenhoff (Kronberg/Taunus) mit Renoir und Isabell Werth (Mellendorf) mit Antony den Damen-Titel. Zugleich ging eine Ära zu Ende: Zehn Jahre in Serie gewann Werth bei internationalen Championaten Medaillen, doch die WM in Jerez findet ohne die viermalige Olympiasiegerin statt. „Das ist eine gute Zäsur, um neu anzufangen“, sagte die amtierende Weltmeisterin.

Für Werth war schon am Samstag klar, dass Klaus Husenbeth den vierten Platz im WM-Team neben Capellmann, Linsenhoff und der in Mannheim pausierenden Ulla Salzgeber (Bad Wörishofen) bekommen würde. Der 46-jährige Amateur aus Sottrum bei Bremen gewann gestern mit Piccolino erstmals den Herren-Titel. Die Punktrichter hätten „ein deutliches Zeichen gesetzt, dass sie Antony nicht bei der WM haben wollen“, sagte Werth, die bei Olympia, WM und EM insgesamt 19 Goldmedaillen sammelte. Mit ihren jungen Pferden sieht sie sich aber „für die Zukunft gut aufgestellt“.

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