Sport : Das halbe Comeback

Henrik Rödl sitzt bei Alba nach langer Pause wieder auf der Ersatzbank – und wird gefeiert

Helen Ruwald

Berlin. Am Mittwochabend um 20.13 Uhr war Henrik Rödl wieder da. In diesem Moment betrat der Basketballprofi von Alba Berlin die Max-Schmeling-Halle, nicht in Sweatshirt und langer Hose, sondern in der blauen Spielkleidung des Deutschen Meisters. Er lief sich warm und warf auf den Korb, endlich wieder. Neun Monate hatte der 34-Jährige wegen eines Bruchs des Schienbeinkopfes pausiert, sich Stunde um Stunde in der Rehabilitation gequält. Die Europaligaspiele seines Teams erlebte er nicht auf dem Spielfeld, sondern am Mikrofon. Als Kokommentator von TV Berlin äußerte er bei den Live-Übertragungen oft noch Hoffnung auf einen Sieg, auch wenn es schon keine Hoffnung mehr gab. Nur drei von 14 Europaligaspielen gewann Alba – wohl auch, weil Rödl fehlte.

Beim letzten Europaligaauftritt gegen Olympiakos Piräus saß Rödl zumindest wieder auf der Ersatzbank und erlebte dort die 70:71-Niederlage mit. Weil die Partie erst durch zwei Freiwürfe für Olympiakos 0,8 Sekunden vor Schluss entschieden wurde, die Zweikämpfe hart und das Verletzungsrisiko groß waren, ließ Trainer Emir Mutapcic Rödl nicht aufs Feld. „Henrik ist ein medizinisches Phänomen, er war sehr schwer verletzt“, sagte Mutapcic. Obwohl er keine Sekunde spielte, „hat er uns heute schon durch seine Präsenz geholfen“. Flügelspieler Vladimir Petrovic spricht von Rödls „Persönlichkeit“, die der Mannschaft gut tue. Rödl besticht durch Kampfgeist und Einsatzwillen, er spielt extrem mannschaftsdienlich und kann die Kollegen mitreißen. Solche Tugenden fehlten Alba in den letzten Monaten bisweilen.

„Ich bin froh, dass ich wieder da bin. Ich bin gerade gesundgeschrieben worden, ich rechne nicht mit großen Einsatzzeiten“, sagte der ehemalige Spielführer, der sich nun lachend als „Hilfskapitän“ bezeichnet. Alba verlor, doch für Rödl war das halbe Comeback ein Sieg. Weil er die Rückennummer vier trägt, die niedrigste bei Alba vergebene Nummer, lief er bei der Spielervorstellung als Erster in die abgedunkelte Halle ein. Zufall, doch es passte: Am Mittwoch war der Ersatzspieler auch der Mann des Tages. Die Fans feierten ihn mit stürmischem Beifall, auf einem Plakat stand „Du hast uns gefehlt, Henrik“.

Zu Spielbeginn saß Rödl, ein Handtuch über den Beinen, zwischen Petrovic und Mithat Demirel, der wegen gerade erst überstandener Grippe ebenfalls nicht zum Einsatz kam. Rödl, WM-Dritter mit Deutschland 2002, erlebte ein Spiel, das typisch war für Alba Berlin 2004: Es war ein Auf und Ab wie so oft in den vergangenen Monaten. Nach 14:25 verlorenem ersten Viertel besannen sich die Berliner auf ihre kämpferischen Fähigkeiten und spielten gegen die Griechen, für die es im Gegensatz zu Alba noch um die Qualifikation für die Zwischenrunde ging, sogar einen Vorsprung heraus. „Den Anfang haben wir verschlafen, aber dass am Ende der schwächste Freiwurfschütze zweimal trifft, ist unglücklich“, meinte Rödl. Noch konnte er auf dem Feld keinen Einfluss auf die schwache Anfangsphase nehmen. Schon morgen tritt Alba in der Bundesliga bei TBB Trier an. Vielleicht wird dann ja aus dem halben ein ganzes Comeback.

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