Sport : Das Halbfinale im Blick

Schalke gewinnt das Hinspiel im Viertelfinale des Uefa-Pokals bei Lewski Sofia mit 3:1

Jörg Strohschein[Sofia]

Der Gegner lobte ausgiebig: „Das war bisher die stärkste Mannschaft, auf die wir getroffen sind“, sagte Stanimir Stoilow, Trainer von Lewski Sofia nach der 1:3-Heimniederlage gegen Schalke 04 im Viertelfinal-Hinspiel des Uefa-Cups. Die Schalker sollten das als großes Kompliment auffassen, denn immerhin hat Lewski mit Udinese Calcio und Artmedia Bratislava zwei vorherige Champions- League-Teilnehmer ausgeschaltet. Aber Schalke kam ja auch aus der Champions League in den Uefa-Pokal, erkämpft sich in Europa immer mehr Prestige und hat nun allerbeste Chancen auf das Halbfinale. Dort wartet auf dem Weg ins Finale in Eindhoven voraussichtlich der FC Sevilla, der Zenit St. Petersburg gestern im Hinspiel in Sevilla 4:1 (1:1) schlug.

Wie ein wirklich starker Gegner traten die Schalker in Sofia zu Beginn des Spiels allerdings nicht auf. Das Team von Trainer Mirko Slomka vermittelte in der ersten Halbzeit kaum einmal den Eindruck, als ob es seine letzte Chance, in dieser Saison doch noch einen Titel nach Gelsenkirchen zu holen, wirklich nutzen wollte. Bereits nach sechs Minuten erzielte Daniel Borimirow, der fast zehn Jahre lang für den TSV 1860 München gespielt hatte, nach einem Alleingang die Führung für Sofia. Vorausgegangen war ein Fehlpass von Hamit Altintop, der erstmals in diesem Jahr von Beginn an spielte und nervös wirkte.

Lautstark unterstützt von den 40 000 Zuschauern im Wassil-Lewski-Stadion – Slomka lobte den Großteil der Fans, beklagte sich aber über vereinzelte rassistische Ausfälle gegen Schalkes gebürtigen Ghanaer Gerald Asamoah – dominierte Sofia zunächst. Bis auf eine gute Kopfballgelegenheit von Sören Larsen, der nur die Torlatte traf, hatte Schalke keine nennenswerte Torchance. Und dies, obwohl Sofias Mittelfeldspieler Cedric Bardon vom englischen Schiedsrichter Michael Riley in der 35. Minute mit Gelb-Rot wegen wiederholten Foulspiels vom Platz gestellt worden war. „Wir haben mit cleveren Zweikämpfen diese gelb-rote Karte erarbeitet“, sagte Slomka später mit der ganz speziellen Logik des Fußballtrainers.

Die Überzahl der Schalker war zunächst nicht zu erkennen. Vor allem das Mittelfeld um Christian Poulsen, dessen Wechsel nach Saisonende zum AC Mailand von der italienischen Sportzeitschrift „Gazetto dello Sport“ bereits als perfekt gemeldet wurde, verlor ungewöhnlich viele Zweikämpfe. Auch Slomkas mutige Aufstellung mit drei Spitzen (Asamoah, Kuranyi, Larsen) wollte sich nicht auszahlen. Allerdings hatte Slomka für die zweite Hälfte den richtigen Schachzug parat. Für den ebenfalls gelb- rot-gefährdeten Sören Larsen brachte er Gustavo Varela. Der Uruguayer erzielte prompt den Ausgleichstreffer, als er einen Doppelpass von Kevin Kuranyi und Lincoln verwandelte. Als die Kräfte der Gastgeber immer mehr nachließen, war es Regisseur Lincoln, der mit einem spektakulären Distanz-Schuss die Schalker in Führung brachte. Gerald Asamoah führte schließlich mit einem Abstauber gut zehn Minuten vor Schluss die Entscheidung herbei.

„Wir haben ein zweites Spiel und eine große Chance, das Halbfinale zu erreichen. Aber es ist noch nicht gespielt“, sagte Mirko Slomka. „Wenn ich ehrlich bin, sind die Chancen auf ein Weiterkommen minimal“, erwiderte sein Gegenüber Stoilow. Borimirow widersprach: „Schalke hat verdient gewonnen. Aber die Chance weiterzukommen bleibt immer.“

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