Sport : Das Heimchen am Herd

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Benedikt Voigt über

Sven Hannawalds Frauenbild

Gewisse Gemeinsamkeiten lassen sich ja tatsächlich zwischen dem ehemaligen Tennisspieler Boris Becker und dem Skispringer Sven Hannawald ausmachen. Beide feierten in jungen Jahren Erfolge, beide nennen sich Deutschlands Sportler des Jahres, beide blicken aus blauen Augen. Nun aber sind wir bei einem Thema, das sie mehr als unterscheidet: das Privatleben. Als Boris Becker 28 Jahre zählte, war er seit knapp zwei Jahren mit Barbara Feltus verheiratet. Benedicte, Karen, und wie seine Freundinnen sonst noch hießen, waren Geschichte – für ein paar Jahre zumindest. Sven Hannawald hingegen sagt mit 28 Jahren: „Eine Freundin ist noch nicht in Sicht.“

Das freilich, möchte man Hannawald zurufen, ist nichts Schlimmes. Es gibt viele Männer seines Alters, die das Gleiche von sich sagen. Schlimmer hingegen ist, dass Hannawald glaubt, ständig darüber reden zu müssen. In der jüngsten Ausgabe der Jugendzeitschrift „Yam“ spricht er mal wieder ausführlich über das, was nicht ist. Flirten zum Beispiel. „Das letzte Mal ist schon ewig her“, sagt Hannawald, „ich bin ein schüchterner, zurückhaltender Kerl, es ist schwer an mich heranzukommen.“ Natürlich antwortet er auch auf die WasWäre-Wenn-Fragen. „Wenn ich eine Freundin hätte, könnten wir uns die Hausarbeit teilen, und sie könnte das Kochen übernehmen.“ Die Frau am Herd, das wäre ja mal eine ganz verrückte Idee.

Überhaupt scheint sein Frauenbild ein traditionelles zu sein. Über Frauen am Steuer könne er sich am meisten aufregen, heißt es in der Jugendzeitschrift, „vor allem auf der Autobahn“. An dieser Stelle möchte man Sven Hannawald eine verbale Vollbremsung empfehlen. Er muss ja nicht alles so machen wie der Tennisspieler, aber ein bisschen mehr Boris wäre gar nicht schlecht.

Mehr tun, weniger reden.

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