Sport : Das Herz entdeckt

Matej Mamic führt Alba zum Sieg über Bamberg

Benedikt Voigt

Berlin - Irgendetwas wollte das kleine Mädchen mit dem weißen Blatt Papier von Gerd-Ulrich Schmidt, doch der Mannschaftsarzt von Alba Berlin verstand ihre Sprache nicht. „Was sagt sie?“, fragte er Matej Mamic im Vip-Raum der Max-Schmeling-Halle, und der kroatische Basketballprofi übersetzte für ihn. „Du sollst ihr helfen, ein Autogramm von Burkhardt Prigge zu bekommen“, sagte Mamic. Dass das Mädchen nicht von ihm, sondern vom Kotrainer eine Unterschrift wollte, wunderte Mamic nicht. Es war seine Tochter.

Bei jedem anderen Zuschauer in der Max-Schmeling-Halle dürfte ein Autogramm von Matej Mamic am Samstagabend hoch im Kurs gestanden haben. „Er hat sensationell verteidigt“, sagte Albas Trainer Henrik Rödl nach dem 71:63 im Spitzenspiel der Basketball-Bundesliga über GHP Bamberg. So intensiv hatte sich Mamic in der Verteidigung um Bambergs Dreierspezialisten Hurl Beechum gekümmert, dass dieser nur zwei von zehn Dreipunktewürfen traf. Darüber hinaus fand Mamic Gelegenheit, 15 Punkte zu erzielen und neun Rebounds zu fangen. „Er verbreitet den Geist, den wir hier in Berlin sehen wollen“, sagt Rödl.

Mamic verkörpert die Tugenden, die Alba in der Vergangenheit stark gemacht haben und die der Klub in den letzten zwei Spielzeiten oft vermissen ließ: Kampfstärke, Mannschaftsgeist, Spaß am Verteidigen. „Ich spiele immer mit Herz und Emotionen“, sagt der 30-Jährige. Einmal forderte er die Zuschauer in der ausverkauften Max-Schmeling-Halle durch Armbewegungen auf, noch lauter zu werden. Dass er in den Schlusssekunden unbedrängt beim Dunking scheiterte, verzieh ihm sein Trainer. „Das darf sich so ein Spieler auch mal erlauben.“

Zumal Alba erstmals in dieser Saison in allen Bereichen überzeugte. „Die Entwicklung in der Mannschaft kann sich sehen lassen“, sagt Rödl, „das war ein Statement für die Play-offs.“ Alba geht von Platz eins in die letzten vier Spieltage der Hauptrunde. Am Mittwoch wartete das Pokal-Viertelfinale in Bonn. Davor ist dem Trainer nicht bange, er hat eine Veränderung im Team ausgemacht. „Die Mannschaft fängt an, stolz zu sein auf den Verein, für den sie spielt.“ Bei Mamic klingt das bereits durch. Er hat im Sommer einen Zweijahresvertrag bei Alba unterschrieben. „Damals dachte ich, dass es die richtige Entscheidung ist“, sagt der Vater dreier Kinder, „jetzt weiß ich es auch.“ Alba dürfte das längst ähnlich sehen.

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