Sport : Das Holz steht im Weg

Portugal schwankt nach dem Aus im Halbfinale zwischen Trauer und Stolz.

Nuno Travassos[Donezk]
Zur Brust. Portugals Trainer Paulo Bento (r.) tröstet Fabio Coentrao. Foto: Reuters Foto: REUTERS
Zur Brust. Portugals Trainer Paulo Bento (r.) tröstet Fabio Coentrao. Foto: ReutersFoto: REUTERS

Vier Worte waren es, die Cristiano Ronaldo vor sich hin sagte. Vier Worte, die eine Kamera direkt nach dem letzten Elfmeter des Spaniers Cesc Fabregas einfing. „Was für eine Ungerechtigkeit“, entfuhr es dem portugiesischem Superstar. Damit drückte er die Stimmungslage eines ganzen Landes in einem einzigen Fluch aus. 1984, 2000 und 2004 – diese Jahreszahlen hatten sich in die portugiesische Fan-Seele eingebrannt. Sie stehen für ein jeweils unglückliches Turnierende.

1984 und 2000 unterlag man im Halbfinale gegen Frankreich in der Verlängerung, im Jahr 2004 ging das Heim-Finale gegen Griechenland 0:1 verloren. 2012 ist nun das nächste Brandmal.

Trainer Paulo Bento fand dennoch aufmunternde Worte: „Ganz Portugal kann stolz auf dieses Team sein.“ Tatsächlich überzeugte die Mannschaft die Fans, die vor dem Turnierstart nur geringe Erwartungen hatten. Nur die deutsche Mannschaft besiegte Portugal, gegen Spanien war Bentos Mannschaft nah an dem Heilmittel gegen das Tiki Taka. Großer läuferischer Einsatz, die Verengung der Zone hinter der Mittellinie und Zweikampfstärke – am Ende stand nur das Holz im Weg.

Sechs Mal hatte Portugal in den vorherigen Spielen Pfosten oder Latte getroffen, im Elfmeterschießen des Halbfinales war es Bruno Alves, der den Ball an die Latte setzte. Es war eine Ironie des Schicksals, dass Spaniens Cesc Fabregas den Ball zwar ebenfalls ans Gebälk schoss, dieser aber von dort aus über die Linie ging.

Alves wollte eigentlich den dritten Elfmeter der Portugiesen schießen. Noch bevor er am Punkt angelangt war, überholte ihn jedoch Offensivmann Nani und deutete an, dass er an der Reihe sei. Während Nani traf, verließen Alves die Nerven. Joao Moutinho hatte bereits den ersten Elfmeter vergeben.

Wie so oft blieb die wirtschaftliche Situation des Landes auch beim Fußball nicht außen vor. Zu Turnierbeginn hatten die hohen Kosten des Mannschaftsquartiers für hitzige Diskussionen gesorgt. Der Verbandspräsident sah sich zu einer Stellungnahme gezwungen. Er verkündete, dass das Hotel durch Prämien von der Uefa und nicht durch die Staatskasse finanziert worden sei. Am Tag nach der imposanten Darbietung im Halbfinale war es Regierungschef Pedro Passos Coelho, der ausführte: „Ich bin davon überzeugt, dass das Beispiel der Fußballer uns ermöglichen wird, in nächster Zukunft noch anspruchsvollere Ziele zu erreichen.“

Das nächste Ziel für die Nationalmannschaft gab Trainer Paulo Bento direkt nach dem Ausscheiden bei der Euro aus. Man wolle nun alles daransetzen, das Ticket für die WM 2014 in Brasilien zu lösen. „Die EM hat gezeigt, dass wir mit jeder Mannschaft bei jedem Turnier auf jedem Niveau mithalten können“, sagte Bento. Der Trainer hatte in der Qualifikation für die EM erst ab dem dritten Spiel übernommen, war mit seiner rigiden Haltung gegenüber zwei Stars angeeckt. Jose Bosingwa und Ricardo Carvalho erhielten nach ihrer Kritik am Trainer keine zweite Chance bei Bento.

Dafür setzte Bento auf Jungspunde wie Miguel Lopes, Silvestre Varela und Nelson Oliveira, die ihrem Trainer das Vertrauen zurückzahlten. Die geschlossene Mannschaftsleistung gegen Spanien war wie eine Botschaft: Portugal, das ist mehr als nur Cristiano Ronaldo.

0 Kommentare

Neuester Kommentar