Sport : Das Imperium steckt zurück

Erst wollte Bayern wegen Erpressung im Fall Makaay klagen – jetzt ist für Manager Hoeneß der Fall erledigt

Helmut Schümann,Oliver Trust

Von Helmut Schümann

und Oliver Trust

Nürnberg . Die Meute hatte sich aufgereiht. Über siebzig Personen standen unten auf dem Feld des Nürnberger Frankenstadions postiert, bewaffnet mit ihrer Fotoausrüstung. Eigens für seinen neuen Star hatte der FC Bayern ein Freundschaftsspiel gegen Zweitligist Nürnberg anberaumt. Gegen 18.30 Uhr betrat Roy Makaay zum ersten Mal in Zivil den Rasen: weißes Shirt, blaue Hose, Turnschuhe ohne Socken. Die Fotografen schossen die ersten Bilder, als Manager Uli Hoeneß seinen eigenen Aufsichtsratsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge in den Katakomben des Stadions korrigierte: „Es wird keine Klage gegen Deportivo La Coruña geben. Wir werden auch nicht die Fifa anrufen. Der Fall Makaay ist für uns erlededigt“, sagte Hoeneß dem Tagesspiegel. Das Imperium steckt überraschend zurück.

Am Tag zuvor hatte Karl-Heinz Rummenigge noch gezürnt und gezetert und via „Bild“-Zeitung ein heftiges Nachspiel wegen des Theaters um die Verpflichtung von Stürmerstar Roy Makaay angekündigt: „Wir wollen ein offizielles Verfahren vor dem Weltverband Fifa. Da sind Dinge passiert, die werden diesen Herren noch Leid tun“, hatte Rummenigge bedrohlich orakelt. Von Erpressung war die Rede, und alle in München, so schien es, waren auf Rache aus.

Am Dienstagabend fand Hoeneß die Äußerungen Rummenigges dann „sehr emotional“, aber „in der Situation nachvollziehbar“. Da es aber keine juristische Handhabe gebe, werde man den Fall nicht weiter verfolgen. Der Manager des FC Bayern warf den Verantwortlichen des galicischen Klubs allerdings vor, „gegen jegliche kaufmännische Moral verstoßen zu haben, die ich gewohnt bin, und die auch in Europa üblich ist“.

Am vergangenen Montag waren die Bayern-Reisenden in Sachen Makaay noch zufrieden aus Spanien zurückgekehrt. Man hatte eine mündliche Vereinbarung getroffen, die am Tag darauf schriftlich fixiert werden sollte. Und dann, so lautete die Abmachung, werde der Transfer offiziell bekannt gegeben. Doch daran hielt sich Coruñas Präsident Lendoiro nicht, sondern ging mit Details an die Presse, aus denen hervorging, dass Bayern angeblich weitere Zahlungen an die Spanier zu tätigen habe. An diesem Punkt, sagt Hoeneß, „hat Lendoiro eine neue Pokerrunde eröffnet, die längst beendet war“. Die Einmahlzahlungen im Falle einer Meisterschaft von 500000 Euro und eine Million für den Gewinn der Champions League, die auch Rummenigge am Montag bestätigte, seien laut Hoeneß längst vertraglich geregelt gewesen und mussten nicht nachverhandelt werden. „All das war mündlich vereinbart und sollte erst mit der schriftlichen Bestätigung öffentlich werden.“

Den Fotografen im Frankenstadion war diese Diskussion indes herzlich egal. Um 19.08 Uhr stand Makaay im Aufwärmhemdchen der Bayern erneut auf dem Platz, und Bayern-Sprecher Hörwick verkündete den wartenden Journalisten, der Star werde nach der Partie in der so genannten Mixed Zone, dem Bereich für Kurzinterviews, einige Sätze zum Spiel sagen.

Schon zuvor hatte er den Rummel, der um ihn entstand, sichtlich genossen. Die Fans rissen sich um ihn, es war ein wenig Beckham-Feeling in Nürnberg. Der Niederländer lobte im Gegenzug seinen neuen Arbeitgeber: „Ich bin bei einem Top-Verein gelandet. Ich weiß, dass ich der teuerste Bayern-Transfer aller Zeiten bin und dass die Erwartungen hoch sind, aber ich halte diesen Druck aus.“

Im sportlich eher unbedeutenden Test, den die Bayern 2:0 gewannen, hatte Makaay nach 15 Minuten seinen ersten Ballkontakt. Der erste Schuss-Versuch ging ziemlich daneben, aber dann zeigte der Stürmer bei einigen Dribblings, wie wertvoll er sein kann. Nach 68 Minuten war die Premiere beendet: Makaay wurde ausgewechselt.

Auch Giovane Elber spielte. Der Brasilianer stand wegen der Makaay-Verpflichtung ebenfalls im Rampenlicht. Ob er die Bayern wegen der neuen Konkurrenz vorzeitig verlässt, ist derzeit völlig ungewiss. Nur auf eines haben sich zumindest die Hoeneß-Brüder Uli und Dieter wohl geeinigt: dass er kein Spieler für Hertha BSC ist. Elber arbeitete viel hinter der vordersten Spitze, so, wie es ein zweiter Stürmer tut. „So viel habe ich Elber in einem Freundschaftsspiel noch nie laufen sehen“, sagte Hoeneß, der sich über Elbers schönes Kopfballtor zum 1:0 freute.

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