Sport : Das IOC stößt an seine Grenzen

Süd- und Nordkorea gehen bei Olympia auf Abstand

Friedhard Teuffel

Peking - Nicht einmal symbolisch wollen Nordkoreaner und Südkoreaner zurzeit zusammengehören. Bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele trennte sie nun sogar ein Sicherheitsabstand. Nach dem maßgeblichen chinesischen Alphabet hätten beide hintereinander ins Nationalstadion von Peking einlaufen sollen, doch kurz vor Beginn wurden noch die Fidschi-Inseln, Kamerun und Montenegro dazwischen geschoben. Die Teilung des Landes zeigte sich auch bei der Gunst des Publikums – der kommunistische Norden bekam deutlich mehr Applaus.

Dabei hätte das Internationale Olympische Komitee (IOC) so gerne damit geworben, beide Mannschaften wie schon 2000 in Sydney und 2004 in Athen zusammengebracht zu haben. Als Vorstufe für ein wiedervereinigtes Korea. Dafür hatte sich das IOC sogar bei den Staatschefs beider Länder eingesetzt – vergebens. „Das ist ein Rückschlag für Frieden, Harmonie und den Vereinigungsprozess“, sagte IOC-Präsident Jacques Rogge.

Korea liegt dem IOC auch deshalb so nahe, weil es bis heute als Symbol dafür gilt, was die olympische Bewegung erreichen kann. Die Olympischen Spiele 1988 in Seoul nennt das IOC gerne als Beitrag zur Demokratisierung Südkoreas. Doch wie viel haben die Spiele wirklich dazu beigetragen? „Die Spiele haben den Südkoreanern eine wichtige Erfahrung gebracht“, sagt Werner Pfennig, der am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität über Asien, besonders Südkorea, geforscht hat und heute die Heinrich-Böll- Stiftung berät: Mit den Spielen tauchte auf einmal in Südkorea ein gemeinsames Interesse auf: „Wir müssen tolle Olympische Spiele organisieren und dürfen keinen Militärstaat präsentieren“, hieß es laut Pfennig. Das habe den Übergang von einer Militärdiktatur zur Demokratie erleichtert. Auch halfen die Spiele den Südkoreanern, ihre außenpolitische Stellung zu verbessern, sie nahmen 1988 mit vielen Staaten im Osten diplomatische Beziehungen auf.

Auf China könne man diese Erfahrungen nicht übertragen, sagt Pfennig. Die Demokratisierung Koreas geschah in einer Zeit, in der sich die ganze Welt im Wandel zu befinden schien: Der Osten öffnete sich. Doch wer soll die Veränderungen herbeiführen? „Es gibt in China keine organisierte Opposition“, sagt Pfennig. Ganz im Gegensatz zu Südkorea mit einer starken Demokratiebewegung. Und auch der Unmut der Bevölkerung sei nicht groß genug, um Veränderungen herbeizuführen. Die Stadtbevölkerung profitiert von der wirtschaftlichen Entwicklung Chinas, die Landbevölkerung ist nicht in der Lage, Protest zu organisieren. „Es fehlt die kritische Masse“, sagt Pfennig.

Wenn Chinesen während der Spiele gegen das eigene Regime demonstrierten, könnte das sogar das Gegenteil des Erhofften bringen. „Die Masse sagt dann: Die machen unsere Spiele kaputt.“ Von Olympia erwartet Pfennig daher allenfalls kleine Wirkung: eine Verbesserung des gegenseitigen Verständnisses zwischen China und der Welt. „Es kann den Chinesen zu einer entspannteren Selbstwahrnehmung verhelfen und zu der Erfahrung, dass nicht alles, was sie nicht kontrollieren können, gegen sie gerichtet ist.“ Friedhard Teuffel

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