Sport : „Das IOC wird die Welt nicht verändern“

Willi Lemke über die Partner Olympia und UN

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Foto: p-a/dpaKEYSTONE

Herr Lemke, die UN-Vollversammlung hat dem Internationalen Olympischen Komitee den Status eines ständigen Beobachters verliehen. Was ändert sich dadurch?

Die ohnehin ausgezeichneten Beziehungen zwischen UN und IOC werden noch verstärkt werden. Die Entscheidung ist ein Beweis für die Ernsthaftigkeit der UN, den Sport für eine friedliche Entwicklung der Menschen zu nutzen. Man darf das natürlich aber auch nicht überschätzen: Das IOC wird die Welt nicht in großen Zügen verändern.

IOC-Präsident Jacques Rogge hat immer wieder und besonders vor den Spielen in Peking betont, die olympische Bewegung sei unpolitisch. Sehen Sie da kein Problem?

In keiner Weise. Es ist eindeutig, dass der Sport eine politische Funktion hat. Politischer Missbrauch, die Gleichung „Wir haben gute Sportler also ist auch unser politische System gut“ – das ist falsch. Auch die Fußball-WM 2006 in Deutschland war hochpolitisch und hat unser Land innen und außen gestärkt. Den Effekt erhoffen wir uns auch von der WM in Südafrika: Das Turnier könnte den ganzen afrikanischen Kontinent unheimlich stärken.

Was heißt der neue Status des IOC für Ihre eigene Arbeit als UN-Sonderberater?

Zunächst einmal werte ich ihn als Bestätigung. Zudem wird meine Arbeit leichter: Ich habe jetzt einen weiteren Gesprächs- und Bündnispartner hier in New York.

Bei der IOC-Vollversammlung in Kopenhagen hat UN-Generalsekretär Ban Ki Moon gesagt: „Olympische Prinzipien sind auch UN-Prinzipien.“ Sind die Übereinstimmungen wirklich so groß?

Frieden und Fairness, Grundprinzipien des olympischen Gedankens, sind als politische Ziele sicher identisch. Das zeigt auch die traditionelle UN-Resolution zum olympischen Frieden. Auch deshalb war es für das IOC und uns alle sehr enttäuschend, dass es parallel zur Eröffnungsfeier in Peking die kriegerische Auseinandersetzung im Kaukasus gab. Wenn wir schon so weit wären, hätten sich alle Staaten an den olympischen Frieden gehalten. Wir haben also noch viel Arbeit.

Das Gespräch führte Lars Spannagel.

Willi Lemke, 63, ist seit 2008 UN-Sonderberater für Sport im Dienst von Entwicklung und Frieden. Zuvor war er Bildungs- und Innensenator in Bremen und managte Werder Bremen.

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