Sport : „Das ist weltfremd“

Harte Kritik des DOSB am Bundesrechnungshof, der die Eingrenzung der Sportförderung empfiehlt

Berlin - Der Bundesrechnungshof hat sich in einem Gutachten für eine Eingrenzung der Sportförderung des Bundes ausgesprochen. Der Präsident des Bundesrechnungshofes, Dieter Engels, hält es für notwendig, dass sich der Bund „auf die Spitzensportförderung beschränkt“, heißt es in dem Gutachten unter dem Titel „Modernisierung der Verwaltungsbeziehungen von Bund und Ländern“. Dies solle auch in einem Gesetz, eventuell sogar im Grundgesetz, klargestellt werden.

Der organisierte Sport reagierte darauf mit harscher Kritik. „Die Schlussfolgerungen des Bundesrechnungshofes sind weltfremd“, erklärte Michael Vesper, der Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOS). „Eine Konzentration der Spitzensportförderung auf wenige Topathleten ist erstens gar nicht machbar und widerspräche zweitens dem notwendigen Langfrist-Denken bei der Förderung.“ Wer den Spitzensport effizient fördern wolle, müsse auch den Nachwuchsleistungssport im Blick haben.

Auch der Vorsitzende des Bundestags-Sportausschusses, Peter Danckert, kritisierte das von der Föderalismuskommission II in Auftrag gegebene Gutachten: „Wenn diese Feststellungen Allgemeingut werden sollten, dann ist die Förderung des Hochleistungssports mit einem jährlichen Volumen von 200 Millionen Euro Bundesmitteln in Gefahr.“ Nur noch eine Handvoll Topathleten würde gefördert, „B- oder C-Kader und Nachwuchsathleten flögen heraus“, sagte Danckert und forderte erneut, den Sport als Staatsziel im Grundgesetz zu verankern: „Dann würden wir solchen abstrusen Empfehlungen einen Riegel vorschieben.“

In dem jetzt veröffentlichten Gutachten heißt es weiter, der Bund fördere den Sport seit Jahrzehnten trotz unklarer und fehlender Ausgaben- und Finanzierungszuständigkeit: „Obwohl die Bundesregierung ihre Förderzuständigkeit nur als Ausnahme betrachtet und unter dem Gesichtspunkt der nationalen Repräsentation im Wesentlichen auf den Spitzensport bezieht, fördert sie auch den Leistungssport und Breitensport.“ Versper hielt dagegen, mit seinem Beitrag zur Integration und der Arbeit der Ehrenamtlichen entlaste der Sport die Staatsfinanzen beträchtlich.

Rechnungshofpräsident Engels beanstandet außerdem die Förderung der beiden Kölner Sportakademien und die nicht ausreichende Besteuerung ausländischer Starter bei Sportveranstaltungen in Deutschland. Das verursache Steuerausfälle von bis zu sieben Millionen Euro im Jahr. dpa

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