Das Istaf Olympiastadion : Die Lange und die Höhe

Am Sonntag steigt das Istaf im Berliner Olympiastadion: Die 1,93 Meter große Kroatin Blanka Vlasic ist die derzeit am meisten beachtete Leichtathletin der Welt.

Friedhard Teuffel
Istaf
Die Latte liegt und Blanka siegt. Ihr Freudenschrei bei der erfolgreichen WM 2007. -Foto: dpa

Berlin - Kommt sie oder kommt sie nicht? Mit dieser Frage hat Gerhard Janetzky in dieser Woche ein bisschen gespielt. Am Montag war die Antwort des Istaf-Geschäftsführers noch ein verschmitztes Lächeln. „Wir arbeiten daran“, sagte er. Am Mittwoch war sie dann ein breites Grinsen. Es sollte bedeuten: Blanka Vlasic startet an diesem Sonntag beim Istaf im Olympiastadion.

Mit der kroatischen Hochspringerin kann Janetzky solche Spielchen machen, Neugier wecken, Spannung aufbauen und am Ende einen kleinen Triumph verkünden. Denn Vlasic ist derzeit die wohl am meisten beachtete Leichtathletin der Welt. Sie hat in einer Saison alle überholt. Und wer könnte derzeit mit ihr mithalten? Die russische Stabhochspringerin Jelena Isinbajewa? Hat sich langweilig gesiegt mit zu vielen Titeln und Weltrekorden. Die besten Sprinterinnen? Derzeit kaum auseinanderzuhalten, weil mal die eine gewinnt und mal die andere.

Vlasics Popularität lässt sich leicht erklären: mit ihrem Aussehen, ihrem Auftritt, ihrem Aufstieg. 1,93 Meter ist die 24 Jahre alte Athletin groß, dennoch wirkt ihr Anlauf nicht staksig, sondern elegant. Ihre langen Beine setzt Vlasic nach einem großen Sieg wie dem WM-Titel im vergangenen Jahr in Osaka mit 2,05 Metern auch mal für ein Tänzchen ein. Dann stemmt sie einen Arm kess in die Hüfte, reißt den anderen in die Höhe und schaukelt über die Tartanbahn.

Außerdem ist von ihr nach dem schnellen Emporkommen auch noch einiges zu erwarten: Ihre Bestleistung beträgt 2,07 Meter, und Vlasic versucht sich immer wieder gerne an der Weltrekordhöhe von 2,10 Meter. „Ich bin immer glücklich, wenn ich das versuchen darf“, sagte sie gestern Nachmittag. Auch im vergangenen Jahr beim Istaf hatte sie das vorher angekündigt, war aber dann nicht so in Form, wie sie es sein wollte. An einem erneuten Weltrekordversuch hätten die Zuschauer sicher ihren Spaß, 65 000 erwartet Geschäftsführer Janetzky mindestens, „vielleicht werden es sogar 70 000“. Gut möglich, dass der Hochsprungwettbewerb der Frauen zu den unterhaltsamsten Programmpunkten zählen wird, zumal auch noch die deutsche Aufsteigerin mitspringt, Ariane Friedrich. Sie soll anknüpfen an eine große deutsche Hochsprungtradition mit Ulrike Meyfarth, Rosemarie Ackermann und Heike Henkel.

Blanka Vlasic ist in diesen Kreis schon aufgerückt. Und dabei soll es nicht bleiben, vor allem nicht, wenn es nach ihrem ehrgeizigen Vater Josko Vlasic geht. Der ist ehemaliger Zehnkämpfer und für seine Tochter hat er in Split ein eigenes Trainingszentrum eingerichtet. Ehrfurcht scheint er nicht zu haben, nicht einmal vor den Olympischen Spielen in Peking. „Peking ist nur eine Station auf unserem Weg. Wenn wir alles erreichen, was wir uns vorgenommen haben, wird Blanka langfristig unerreichbar sein“, hat er der „Frankfurter Allgemeinen“ gesagt.

Unerreichbar? Wer unerreichbar ist in der Leichtathletik, der ist derzeit vor allem eins: verdächtig. Wer weiß schon, ob die Bulgarin Stefka Kostadinova bei ihrem Weltrekord 1987 mit 2,09 Metern nicht auch dank der Errungenschaften der Pharmaindustrie an Höhe gewonnen hat. Und wer weiß schon, was heute alles im Umlauf ist.

Vielleicht ist es aber auch alles großes Talent, ein für den Hochsprung perfekt gewachsener und austrainierter Körper, der Blanka Vlasic so hoch steigen lässt. Sie hat jedenfalls schon jetzt Höhen erreicht, in der die Luft allmählich dünn wird.

0 Kommentare

Neuester Kommentar