Sport : Das Jahr der Aufsteiger

Die Füchse, Britta Steffen und Arthur Abraham sind Berlins Sportler 2007

Christian Hönicke[Anke Myrrhe]

Berlin - Dass die Füchse Berlin in der Kategorie Team und Bob Hanning in der Rubrik Manager bei der Wahl zu den Berliner Sportlern des Jahres gewonnen haben, ist nur folgerichtig. Das eine wäre ohne das andere nicht denkbar: Die Füchse sind Bob Hanning.

Als den früheren Kotrainer der Nationalmannschaft 2005 der Hilferuf aus Berlin erreichte, standen die Reinickendorfer Füchse vor dem Lizenzentzug in der Zweiten Handball-Bundesliga. 1986 hatten sie zuletzt in der Ersten Liga gespielt, und an einen baldigen Wiederaufstieg dachte niemand – niemand außer Hanning. Er ging als Geschäftsführer und Manager auf Sponsorenjagd und rettete den Klub vorm Kollaps, holte ihn mit der Umbenennung in Füchse Berlin und dem Umzug in die Schmeling-Halle aus dem Kiezmief, verpflichtete neue Spieler, holte den erfahrenen Trainer Jörn-Uwe Lommel aus Ägypten zurück – und schaffte zwei Jahre später tatsächlich den Aufstieg.

Sein größtes Talent beschreibt Hanning selbst am treffendsten: „Ich bin wie ein Stromkasten, in den jeder seinen Stecker zum Aufladen stecken kann.“ Der 39-Jährige kann sich selbst und andere euphorisieren, und diese Eigenschaft brauchte er auch in dem zerstrittenen und skeptischen Handballumfeld, das er in Berlin vorfand, um sein persönliches „Königsprojekt“ gegen alle Widerstände verteidigen zu können. „Ich habe mir das eine Weile angeschaut und dann irgendwann gesagt: Ab jetzt läuft das hier so, wie ich es will“, sagt der gebürtige Essener. Von seinen Mitarbeitern erwartet er dabei lediglich das Gleiche wie von sich selbst: bedingungslosen Einsatz. „Ich lebe für den Verein, nicht von ihm.“ Wer da nicht mitzieht, kriegt Probleme.

Hannings Energie elektrisiert offensichtlich auch die Zuschauer. Obwohl die Füchse von Siegesserien und der Tabellenspitze weit entfernt sind, haben sie – unterstützt von Sonderaktionen und der allgemeinen Lust am Handball nach der WM – bereits den sechstbesten Zuschauerschnitt aller Bundesligisten. Hanning: „Die Zuschauer haben ein Gespür dafür, was möglich ist und was nicht.“ Das hat er allerdings auch, denn bei aller Euphorie legt der Manager großen Wert auf Seriosität. Ein Lieblingssatz von ihm: „Wir versprechen nur, was wir auch halten können.“ Für diese Saison hat Bob Hanning den Klassenerhalt versprochen.

Der Sieg von

Britta Steffen

, Deutschlands schnellster Schwimmerin, verwundert nicht. Seit ihren zwei Goldmedaillen über 50 m und 100 m Freistil (mit Weltrekord) bei der EM 2006 hat sich die Beachtung für die 24-Jährige stark erhöht. Auch wenn die Schwimm-WM in Melbourne in diesem Jahr insgesamt eher enttäuschend verlief (Bronze über 50 m Freistil), konnte sich Steffen zumindest bei den Berliner Fans durchsetzen. Nun konzentriert sie sich voll auf die Vorbereitung für die Olympischen Spiele in Peking im kommenden Jahr.

Dass Boxer

Arthur Abraham

die Wahl zum Berliner Sportler des Jahres in diesem Jahr für sich entscheiden konnte, liegt vor allem an seinem Kinn. Durch seinen Kampf mit gebrochenem Kiefer im September 2006 wurde der 27-Jährige sein Image als Comicboxer los. Im Mai feierte der Berliner IBF-Weltmeister im Mittelgewicht 2007 endlich sein Comeback nach dem doppelten Kieferbruch. Mit zwei Titanplatten und 22 Schrauben im Unterkiefer – und großem Erfolg. 2007 hat Abraham seinen Titel bereits zweimal verteidigt und hatte dazu in der vergangenen Nacht zum sechsten Mal die Möglichkeit gegen den Briten Wayne Elcock (nach Redaktionsschluss beendet) Im Falle eines Sieges hat Abraham für das kommende Jahr viel vor: „Mein Ziel ist es, große Kämpfe in Amerika zu bestreiten.“

Christian Hönicke, Anke Myrrhe

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