Sport : Das kann ja kurvig werden

Jordan-Pilot Nick Heidfeld analysiert für den Tagesspiegel die Formel-1-Strecke in Bahrain

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Die gerade erst gebaute Formel1-Strecke von Bahrain ist für alle Fahrer Neuland. Sie wird an diesem Wochenende eingeweiht. Jordan-Pilot Nick Heidfeld stellt den Kurs vor.

Die erste Kurve nach dem Start wird im ersten Gang gefahren. Man erreicht dabei allerdings nicht die größtmögliche Geschwindigkeit. Aus einem einfachen Grund: Bei zu viel Speed wird man am Kurvenausgang zu weit rausgetragen und verliert damit Schwung. Den benötigt man aber für die zweite Kurve, die in eine ziemlich lange Gerade führt. Kurz nach der zweiten Kurve gibt es einen ganz leichten Knick, keine echte Kurve eigentlich, deshalb geht man hier auch kaum vom Gas runter. Die Gerade absolviert man im siebten Gang, muss dann aber scharf abbremsen und in den zweiten oder sogar ersten Gang runterschalten, weil am Ende der Geraden eine scharfe Rechtskurve kommt.

Bei vielen Kursen fährt man relativ unsauber, das heißt, man fährt über die Fahrbahnbegrenzungen, die so genannten Curbs. In Bahrain freilich wird dieser Fahrstil zum großen Risiko. Denn hier sind die Randsteine relativ hoch, sehr leicht kann deshalb am Unterboden etwas kaputtgehen und die fein austarierte Aerodynamik Schaden nehmen.

Nach der vierten Kurve (und der leichten fünften) beginnt für mich der interessanteste Teil der Strecke, die Passage mit den Kurven sechs, sieben und acht. Der Reiz dabei ist der Umstand, dass es bergab geht. Man bremst in die sechste Kurve, eine Rechtskurve, schaltet in den vierten Gang herunter und steht dabei unter extrem hohem Stress. Denn diese Kurve ist schlecht einzusehen, und es fehlen Anhaltspunkte für den richtigen Einlenkpunkt. Normalerweise orientiert man sich als Fahrer an einem Hinweisschild oder einem anderen markanten Punkt an der Strecke. Das geht hier aber nicht, weil solche Orientierungspunkte an diesem Abschnitt fehlen. Dann geht es noch ein bisschen steiler bergab, bis man dann vor allem in der achten Kurve sehr aufpassen muss. Hier herrscht ungefähr fünf Prozent Gefälle. Diese Kurve wird im zweiten Gang angefahren, weil sie ziemlich eng ist. Sie öffnet sich dann aber, so dass man sich etwas raustragen lassen und Gas geben kann. Nach einer kurzen Geraden steuert man auf den langsamsten Punkt der Strecke zu: eine ziemlich anspruchsvolle Kombination. Hier ist es nötig, schon in der neunten Kurve im fünften Gang stark herunterzubremsen, um die nachfolgende Spitzkehre gut zu absolvieren. Der Fahrer muss gleichzeitig bremsen und einlenken. Das hört sich einfach an, ist aber bei der Zentimeterarbeit, die in der Formel 1 geleistet werden muss, sehr anspruchsvoll.

Nun ist man auf der Gegengeraden. An deren Ende liegt eine Linkskurve, die man im dritten Gang fährt. Die maximale Geschwindigkeit hätte man, wenn man hier ziemlich weit außen fahren würde. Doch hier zeigt sich die Besonderheit dieses Wüstenkurses: An dieser Stelle liegt so viel Sand und Staub, dass darauf ein Auto automatisch wegrutschen würde. Es geht jetzt wieder bergauf, zur schnellsten Kurve des Kurses: Die fährt man im sechsten Gang, die Geschwindigkeit liegt bei 250 bis 260 Stundenkilometern. Anders sieht es mit Kurve 13 aus. Sie ist nämlich ebenfalls schlecht einsehbar und macht auf seltsame Art zu, das heißt, sie verengt sich. Nach der Kurve schaltet man in den siebten Gang und steuert mit viel Speed die Zielkurve an. Diese Kurve absolviert man im dritten Gang, hier kommt es noch mal zu einer besonderen Herausforderung. Denn hier muss man absolut die Ideallinie halten. Der Kurvenausgang ist dann wieder leicht zu fahren und führt zu der Start-Ziel-Geraden.

Die größte Herausforderung ist die Suche nach dem idealen Kompromiss zwischen viel Top-Speed auf den Geraden und genügend Abtrieb für die langsamen Kurven. Das sind ja zwei völlig gegensätzliche Dinge. Um eine Top-Rundenzeit zu erreichen, kann es kurzzeitig sogar besser sein, auf Höchstgeschwindigkeit zu verzichten. Aber dann steht man vor dem Problem, dass man kaum überholen kann. Schlimmer noch: Die Gefahr steigt, dass man selber überholt wird,

Aufgezeichnet von Karin Sturm.

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