Sport : Das kleine WM-Finale

Turbine Potsdams Fußballerinnen empfangen den 1. FFC Frankfurt

Helen Ruwald

Berlin. Bernd Schröder ist gewappnet. Sollten die eineiigen Zwillinge Nancy und July Augustyniak einmal versuchen, ihren Trainer an der Nase herumzuführen, dürften sie nicht weit kommen. „Julie ist dicker“, sagt der Trainer von Fußball-Bundesligist Turbine Potsdam. Auf dem Feld weiß Schröder ohnehin, welchen der 25-jährigen Zwillinge er vor sich hat, „Julie ist unsere einzige Linksfüßerin“. Dafür ist sie aber nicht ganz so stark wie ihre Schwester Nancy, die heute (14 Uhr, Karl-Liebknecht-Stadion Babelsberg) beim Spiel von Tabellenführer Turbine gegen den Deutschen Meister 1. FFC Frankfurt zur ersten Elf gehören wird. Julie wird zunächst auf der Bank sitzen. Die Zwillinge, die in der Abwehr und im defensiven Mittelfeld einsetzbar sind, spielen seit Anfang Februar in Potsdam. Der Kontakt kam über Potsdams Nationalspielerin Conny Pohlers zustande, die gemeinsam mit den Schwestern bei Atlanta Beat in der US-Profiliga antrat – bis diese aufgelöst wurde.

Neben Nancy und Julie bekommen die Zuschauer auch bis zu acht Weltmeisterinnen zu sehen: vier aus Potsdam (Ariane Hingst, Conny Pohlers, Viola Odebrecht, Nadine Angerer), vier aus Frankfurt (Birgit Prinz, Renate Lingor, Pia Wunderlich, Sandra Minnert). Nia Künzer, die im WM-Finale im Oktober gegen Schweden das Golden Goal köpfte, fällt ebenso wegen eines Kreuzbandrisses aus wie ihre Frankfurter Teamkollegin Steffi Jones. Am Donnerstag bei der 0:1-Niederlage der deutschen Frauen gegen China gehörten sogar zehn Nationalspielerinnen der beiden Topteams zum Kader. Allerdings reiste Odebrecht vorzeitig verletzt ab, und Torhüterin Angerer musste sich wegen einer Beckenprellung schon früh auswechseln lassen. „Der Einsatz der beiden entscheidet sich erst kurz vor dem Spiel“, sagt Schröder.

In der vergangenen Saison verpasste sein Team am letzten Spieltag mit einem 0:0 gegen Frankfurt die Meisterschaft – ein Sieg hätte den Titel bedeutet. Doch in dieser Spielzeit hat Potsdam als einzige Mannschaft noch keinen Punkt abgegeben und führt die Tabelle mit fünf Zählern Vorsprung vor Frankfurt an, das allerdings ein Spiel weniger bestritten hat. Am vergangenen Wochenende gelang den Hessinnen gegen den SC Freiburg nur ein 2:2. Im VIP-Raum habe Depression geherrscht, Pessimisten hätten sogar vom Ende aller Meisterschaftshoffnungen gesprochen, heißt es auf der Homepage des 1. FFC Frankfurt. „Das waren aber keine Insider“, sagt Trainerin Monika Staab. Denn noch hat Frankfurt nichts verloren und Potsdam nichts gewonnen: Das Spiel heute ist erst das letzte der Vorrunde.

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