Sport : Das Lächeln gefriert

Anni Friesinger sagt wegen Asthmas ihren Start über 5000 Meter ab

Christiane Mitatselis[Turin]

Anni Friesinger kam nicht allein. Volker Smasal, der Teamarzt, Markus Eicher, ihr Trainer, und Günter Schumacher, der Sportdirektor des Deutschen Eisschnelllauf-Gesellschaft (DESG), saßen neben ihr. Im Schutz einer Gruppe erklären sich unangenehme Dinge einfacher. Die Eisschnellläuferin Friesinger musste erklären, dass die Winterspiele für sie früher zu Ende sind als geplant. Die 29-Jährige verzichtet auf einen Start über 5000 Meter. „Das ist die einzige Lösung für meinen Körper. Ich bin nicht richtig krank, aber ich bin angeschlagen“, sagte Friesinger gestern Mittag bei einer Pressekonferenz in Turin. Die 1500-Meter-Olympiasiegerin von 2002 sah wirklich blass und krank aus, obwohl sie auf den Zug durchs Turiner Nachtleben verzichtet hatte. Den hatte sie noch nach dem für sie enttäuschenden vierten Platz über 1500 Meter am Mittwochabend angekündigt.

Teamarzt Smasal sprach von der schlechten Luft in der Eisschnelllauf-Halle, er redete von den vielen allergenen Stoffen, die durch die trockene Luft schwirren, und dann sagte er: „Der Feinstaub hat zwar alle getroffen, aber bei Anni waren die Folgen besonders stark. Sie leidet unter Belastungsasthma.“ Friesinger hustete in diesem Moment.

Der Frau aus Inzell bleiben die Goldmedaille im Teamwettbewerb, Bronze im 1000-Meter-Rennen und die unangenehmen Erinnerungen an die Ränge vier über 3000 und 1500 Meter. Nach der Niederlage über 1500 Meter am Mittwoch sei ihr „das Lächeln schwer gefallen“, sagte Friesinger. „Die 1500 Meter sind meine Strecke. Hier habe ich seit Jahren dominiert.“ Auf einer „Summe von Kleinigkeiten“ habe ihr vierter Platz basiert. „Es haben einige Rädchen nicht ineinander gegriffen.“

Zum einen war Friesinger durch körperliche Probleme sichtlich geschwächt, vielleicht aber hatte sie auch nicht optimal auf die Spiele hin trainiert. Eicher kündigte an, er wolle die Vorbereitung kritisch analysieren. Aber überhaupt sei es nicht mehr so einfach wie früher, im Eisschnelllauf zu gewinnen. Die Konkurrenz habe deutlich aufgeholt: Die Kanadierinnen zum Beispiel sind stärker geworden. Und die traditionell starken Holländerinnen haben plötzlich eine 19-jährige Ireen Wüst, die als Olympia-Debütantin Gold über 3000 Meter und Bronze über 1500 Meter gewann.

Möglicherweise werden die deutschen Eisschnellläufer Olympische Spiele zum ersten Mal seit 30 Jahren ohne Einzelgold abschließen. Claudia Pechstein aus Berlin wird zwar noch über 5000 Meter an den Start gehen, doch auch die 34-Jährige ist angeschlagen und klagt über Atemnot. Dabei setzte sie vor Turin gerade auf die Langstrecke. Die 5000 Meter gehören zu ihren Spezialstrecken.

„Wir müssen zugeben“, sagt DESG-Sportdirektor Schumacher in schönstem Funktionärs-Deutsch, „dass es uns nicht gelungen ist, eine zweite und dritte Reihe in die Anschluss-Leistung zu bringen“. Im Klartext: Es gibt keine Nachwuchsläuferinnen, die an Friesingers und Pechsteins Erfolge anknüpfen. Auch Friesinger sagt: „Wir haben viele Talente. Aber bei denen muss mehr Drive sein. An den Rahmenbedingungen hat es nie gefehlt.“ Vorbildlich findet Friesinger das Modell der Holländer, deren Topathleten in einem A-Team trainieren. „Jeder brennt darauf, in diesen Kreis zu kommen“, sagt die 29-Jährige.

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