Sport : Das Leben ist ein Kampf

Axel Schulz erlitt angeblich einen Schlaganfall – unabhängig von seinem misslungenen Comeback als Boxer

Hartmut Scherzer[Paul Einhäupl],Claus vet

Berlin - Wolfram Köhler wurde in der Nacht zum Freitag um den Schlaf gebracht. Der Manager des Boxers Axel Schulz hatte das Pech, dass er im US-Bundesstaat Florida wohnt, und konnte das Telefon nicht aus der Hand legen – zu viele Fragen aus Deutschland prasselten auf ihn ein. Die „Bild“-Zeitung hatte getitelt: „Axel Schulz – Schlaganfall.“ Der letzte, traurige Auftritt des 38 Jahre alten Boxers könne das nach sich gezogen haben, spekulierte die Boulevardzeitung. Bei seinem Comeback nach sieben Jahren Pause im November gegen Brian Minto war Schulz k. o. gegangen. Nun könne Schulz wegen des Schlaganfalls die rechte Hand nicht zudrücken, zitiert ihn die Zeitung. K. o. und krank? Ein konstruierter Zusammenhang, findet sein Manager. „Axel geht es gut“, sagt Köhler. „Es gibt keinen Grund zur Sorge. Er hat anscheinend eine Blutkrankheit, die definitiv nichts mit dem Boxen und seinem letzten Kampf zu tun hat.“

Die Meldungen vom Freitag hatten sich dramatischer angehört. Es wurde die Frage aufgeworfen, ob der Schwergewichtsboxer Schulz sein Leben im Ring riskiert habe. Laut „Bild“ diagnostizierte ein Arzt schon zwei Monate vor dem Kampf im westfälischen Halle bei Schulz „Gefäßverletzung im Kopfbereich, Schlaganfall“. Der Berliner Sportmediziner Jens Ziesche sagt dazu: „Bei Kontaktsportarten sind Blutungen typische Verletzungen, die führen dann schlimmstenfalls zu Gehirnblutungen. Schlaganfälle entstehen aber bei Durchblutungsstörungen.“ Trotzdem können bei Schlägen auf den Hals Risse in der Wand der Halsschlagader entstehen, wodurch die Durchblutung des Gehirns gestört werden kann. Ein unwahrscheinlicher Fall: Dass Boxer wegen ihres Sports mit dem höheren Risiko eines Schlaganfalls leben, lässt sich nicht belegen. Im Falle von Schulz müssten wohl andere Schädigungen, eventuell auch veranlagungsbedingte Schäden, einen Schlaganfall begünstigt haben – wobei er mit 38 Jahren noch sehr jung für eine derartige Erkrankung wäre. Laut der Schlaganfall-Hilfe erleiden jährlich rund 200 000 Deutsche einen Schlaganfall, nur etwa zehn Prozent davon sind jünger als 40 Jahre.

Wolfram Köhler hat am Freitag lange mit dem zurzeit in Frankfurt (Oder) weilenden Schulz gesprochen. Daher wisse er, dass es dem Boxer gut gehe, sagt der Manager. Nach dem Kampf gegen Minto hatte sich Schulz Anfang November 2006 routinemäßig untersuchen lassen, ohne auffälligen Befund, sagt Köhler. Erst als ihm eine Woche später schwindlig wurde, habe ihn sein Hausarzt zur Computertomografie überwiesen, wo ein „Hirninfarkt“ festgestellt worden sei. In einer von „Bild“ abgedruckten Beurteilung ohne ersichtliche Quellenangabe – Schulz ist im Klinikum Frankfurt (Oder) untersucht worden – ist von einem „Mediateilinfarkt“ bei Schulz die Rede. Der könnte von einer Embolie ausgelöst sein, die entweder aus der Halsschlagader oder aus dem Herzen kommt. „Es gibt heute keinen anderen Stand als den seit diesen Untersuchungen“, sagt Köhler. „Es wurde festgestellt, dass Axel zu viele Blutplättchen hat, wodurch die Gefahr besteht, dass sein Blut zu dickflüssig wird und Verstopfungen entstehen.“ Schulz hatte außerdem geklagt: „Ich muss nun lebenslang täglich Tabletten nehmen.“ Tabletten zur Blutverdünnung, die Acetylsalicylsäure enthalten – wie zum Beispiel Aspirin.

Vor seinem letzten Kampf hatte Axel Schulz trotz aller Warnungen, er sei nicht fit für ein Comeback, in einem Interview mit dem „Stern“ gesagt: „Ich muss nicht auf andere hören, ich muss andere überzeugen. Die Kritiker stacheln mich an. Ihnen kann ich das Maul nur stopfen, indem ich gewinne – im Ring.“ Auch wenn der angebliche Schlaganfall wohl nicht von der Niederlage im Ring herrührt, so ist die Geschichte um den ehemaligen Boxer Schulz eine öffentliche. Henry Maske, der mit 43 Jahren am 31. März sein Comeback im Ring geben will, ist sie offensichtlich zu öffentlich. „Ich habe die neuesten Nachrichten über Axel Schulz zur Kenntnis genommen“, erklärte Henry Maske auf seiner Homepage. „Natürlich ist mir klar, dass ich in der jetzigen Situation mit Quervergleichen leben muss. Aber Rückschlüsse zu ziehen, weil Axel und ich vor über zehn Jahren mal auf denselben Sandsack geschlagen haben, ist einfach unseriös.“ Aber öffentlichkeitswirksam wäre es.

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