Sport : Das lebende Gleichgewicht

Daniel Pontzen

erklärt, was den Trainer Felix Magath ausmacht Vielleicht konnte man Felix Magath am besten begreifen, wenn man ihn an jenem Montagmorgen beim Training beobachtete. Die Sonne spendete ihr fröhlichstes Strahlen, doch das traf nicht die Stimmung des FC Bayern, zumindest sollte sie das nicht: 0:1 hatten die Münchner am Abend zuvor auf Schalke verloren und damit die Tabellenführung verspielt. In großen Lettern wurde der Konkurrent am Morgen danach als Meisterschaftsfavorit ausgerufen, und mit Blick auf die Bayern stellte sich die Frage: Können sie unter Magath keine großen Spiele gewinnen?

Es war ein kritischer Punkt in der Saison, denn eines war klar: Eine titellose Spielzeit zum Auftakt würde Magath die Arbeit erheblich erschweren. Viel Druck für den Mann, der sich mehrfach öffentlich bei seinem Arbeitgeber für die Chance bedankt hatte, die er ihm mit seiner Verpflichtung eröffnet habe. Was also würde er tun? Magath schlenderte aus dem Kabinentrakt, lächelte sein immer gleiches Lächeln, und kurz darauf bat er seine Jungs zum lockeren Spiel. Er selbst tat auch mit und hatte Spaß. Wer ihm zusah, ahnte, dass die tiefe Ruhe, die er ausstrahlt, tatsächlich in ihm ist. Magath ist von seinen Methoden überzeugt, und er geht seinen Weg weiter, auch wenn er stolpert. Wenn es so etwas gibt wie eine innere Waage, dann herrscht auf seiner Gleichgewicht, nahezu immer.

Am Anfang war das für manche Beteiligten schwer zu verstehen. Zum Beispiel wenn sich Magath weigerte, der branchenüblichen Hektik auch nur einen Nanometer nachzugeben, sondern beharrlich an den Entwicklungsprozess glaubte, den er mit seiner Arbeit beabsichtigte. Am deutlichsten trat diese Diskrepanz im August zutage, nach dem 1:4 in Leverkusen. Magath wollte trotz der ziemlich desolaten Gesamtdarbietung einige Verbesserungen gesehen haben und stellte diese in den Mittelpunkt seiner Analyse. Die zu erwartende Häme hielt ihn nicht ab.

Magath sagt nicht das, womit er in den Medien am besten ankäme, insofern unterscheidet er sich von seinem Vorgänger. Ottmar Hitzfeld sagte höflich etwas auf jede ihm gestellte Frage, aber meistens antwortete er nicht. Er stanzte mechanisch Phrasen, und nach der offiziellen Pressekonferenz verabschiedete er sich. Magath nimmt sich nach den Spielen Zeit für eine ausführliche Analyse, er rührt dann geduldig in seinem Tee, lächelt das Magath-Lächeln, dem man das Ergebnis des Spiels nie ablesen kann. Magath wirkt in seiner Langsamkeit wie ein Paradoxon zur Schnelllebigkeit der Gegenwart – und hat mit dieser Art ausgerechnet beim FC Bayern Erfolg. 

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