Sport : Das Leiden geht weiter

Schalke bleibt beim 1:1 gegen Gladbach zum vierten Mal in Folge sieglos.

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Irgendwie irritiert. Die Schalker Joel Matip (l.) und Roman Neustädter stehen sich bei diesem Zweikampf selbst im Weg. Das passte zum Auftritt der Gelsenkirchener. Foto: dpa
Irgendwie irritiert. Die Schalker Joel Matip (l.) und Roman Neustädter stehen sich bei diesem Zweikampf selbst im Weg. Das passte...Foto: dpa

Gelsenkirchen - Es ist eine seltsame Befangenheit, die eine Mannschaft in krisenhaften Zeiten befällt. Alles, was vor ein paar Wochen noch locker vom Fuß ging, fällt derzeit zusehends schwer. Schalke 04 befindet sich in einer dieser Phasen, in der das Selbstbewusstsein völlig abhanden gekommen ist. Das 1:1 (0:0) gegen Borussia Mönchengladbach war eine Fortsetzung der Leidenszeit, die den Schalkern aus den jüngsten sechs Bundesligapartien ganze fünf Punkte eingebracht hat.

Von einem Spitzenteam ist die Mannschaft von Trainer Huub Stevens momentan meilenweit entfernt. „Ich muss meiner Mannschaft ein Kompliment machen, dass sie sich so wieder zurückgekämpft hat“, sagte Stevens trotzig. Manager Horst Heldt kam der Wahrheit da schon etwas näher: „In der Phase, in der wir uns befinden, müssen wir auch schon mal mit kleinen Schritten zufrieden sein.“ Während die Schalker leiden, hat sich Borussia Mönchengladbach in der Tabelle wieder etwas nach vorne gekämpft. „Ich bin etwas enttäuscht, dass wir nicht gewonnen haben. Aber der Ausgleich der Schalker war verdient“, sagte Trainer Lucien Favre.

Sein Kollege hatte zunächst einmal eine Überraschung parat. Stevens beorderte Timo Hildebrand anstelle des bisherigen Stammtorhüters Lars Unnerstall in die Startelf. Er kam damit zu einer Auffassung, die die Öffentlichkeit schon seit längerer Zeit geteilt hatte. Unnerstalls zuletzt eher unglückliche Aktionen sorgten für Unzufriedenheit im Umfeld. Hildebrand wurde jedenfalls mit einem warmen Applaus von den Zuschauern empfangen, als er seinen Arbeitsplatz einnahm. In der ersten Hälfte ging der Wechsel aber nahezu unter, weil der Torhüter so gut wie gar nicht eingreifen musste. Die Schalker dominierten die Partie, hatten mehr Spielanteile, waren aber zu unproduktiv. Lediglich Lewis Holtby und Klaas-Jan Huntelaar hatten gute Schussmöglichkeiten, aber beide zielten zu ungenau. Die Gladbacher versuchten zwar das Spiel offen zu halten und sich durch die Schalker Reihen zu kombinieren. Sie scheiterten aber ein ums andere Mal an der gegnerischen Defensive. Und je länger die Partie dauerte, desto größer wurde die Fehlerquote auf beiden Seiten. Die Teams neutralisierten sich gegenseitig, das Niveau sank auf wenig unterhaltendes Mittelmaß.

Wie so oft in der laufenden Saison erhöhten die Schalker nach der Pause das Tempo, das Grundproblem lösten sie damit nicht. Ihnen fehlten die Ideen und die nötige Durchsetzungskraft. Die Gladbacher hatten kaum Mühe, sich der durchsichtigen Angriffen zu erwehren und nutzten ihrerseits die erste Möglichkeit. Nach einem eklatanten Fehler von Joel Matip erzielte Igor de Camargo die Gladbacher Führung. Hildebrand sah dabei gar nicht gut aus, was die Schalker Torhüterdiskussion nicht beenden dürfte. Zu allem Überfluss dehnten auch Schalkes Anhänger ihr Schweigen über die zurzeit in sämtlichen Bundesligastadien üblichen zwölf Minuten hinaus aus. „Kein Lob für einen kleinen Teil der Fans, ich verstehe das nicht“, sagte Stevens. Die Ruhe in der Arena war lange Zeit gespenstisch. Immerhin rettete Julian Draxler mit seinem Tor fünf Minuten vor dem Ende zumindest noch einen Punkt für sein Team. Jörg Strohschein

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