Sport : Das letzte Bier im „Albatros“

Die Max-Schmeling-Halle bleibt zurück

Berlin - In der Stunde des Abschieds hatte Marco Baldi ein schönes Wort für die alte Heimat übrig. „Wir haben sorgfältig abgewogen“, sagte der Alba-Geschäftsführer, „denn wir haben die Max-Schmeling-Halle einst zum Leben erweckt.“ Wie nett. Obwohl, vielleicht war es ja auch umgekehrt: Bis 1996 spielte Alba in der kleinen Sömmeringhalle, im tiefen Westen Berlins. Und die muffige Deutschlandhalle, wo Alba kurz im Korac-Cup antrat, war schon damals Abrisskandidat. Erst in der modernen Max- Schmeling-Halle mit den sauberen Klos, den neuen Sitzen, dem frischen Kiez hat sich Alba als eine große Nummer in der Stadt etabliert.

Jetzt wird der nächste Schritt gemacht, in die O2-World. Zurück bleibt das alte Haus, die Schmeling-Halle. Nur: Was passiert mit ihr? Die Halle – unter der Regie des Regierenden Bürgermeisters Eberhard Diepgen (CDU) für 205 Millionen Mark erbaut , trotz gescheiterter Olympiapläne – verliert den wichtigsten Mieter. 31 von 140 Veranstaltungen fallen weg.

„Wir sind flexibler und müssen nicht mehr Konzerte absagen, weil Alba spielt.“ So zuversichtlich formuliert es zumindest die Firma „Velomax“, die auch das Velodrom betreibt und zum Gegenbauer-Imperium gehört. Seit 1997 kümmert sie sich um die beiden Hallen und hat den Vertrag erst im vorigen Herbst verlängert.

Die Stadt ist an einem leeren Haus nicht interessiert. Denn die Betreiber bekommen Zuschüsse vom Senat; bis 2020 rund 123 Millionen Euro. Ohne die Gelder – das war der Politik in den Neunzigern bewusst – hätte es keine neue Halle in Berlin gegeben (und damit keine Heimat für Alba) oder schlimmstenfalls zwei Bauruinen. Außerdem, so der Senat, finde in den Hallen ja weiterhin Schul- und Vereinssport statt; zudem spielen dort die Handballer der Füchse. Im Velodrom befindet sich das Rad-Landesleistungszentrum.

Dass Bedarf an der Schmeling- Halle besteht, glauben die Veranstalter trotzdem: „Manche Künstler spielen lieber vor vollem Haus als vor halbleerer Großarena.“ Von den 40 Vollzeitarbeitsplätzen seien daher auch keine in Gefahr. Ob das Restaurant „Albatros“ den Namen ändern wird, ist unklar. Die Alba-Fans trinken ja in Zukunft lieber ihr Bier an der Oberbaumbrücke. AG/za

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