Sport : Das letzte Heimspiel

Für Trainer Karsten Heine und Hertha BSC geht heute ein Kapitel zu Ende

Ingo Schmidt-Tychsen

Berlin - Es ist schwierig zu sagen, ob Karsten Heine wirklich noch an seine Chance glaubt, Cheftrainer bei Hertha BSC zu bleiben. Heute spielt seine Mannschaft im Olympiastadion gegen Bayer Leverkusen. „Es geht einzig und allein darum, in dieser Saison einen vernünftigen und versöhnlichen Abschluss im heimischen Stadion zu finden“, sagt Heine. Er meint damit natürlich nicht, dass es sein Abschied in Berlin als Cheftrainer ist. Mit hoher Wahrscheinlichkeit aber wird es so kommen. Aus Vereinskreisen ist zu hören, dass die Enttäuschung über die Leistung der Mannschaft vor einer Woche bei der 1:4-Niederlage zu Hause gegen Bremen tief sitzt – und man Heine nicht zutraut, aus dem durcheinander geratenen Team wieder eine geordnete Gemeinschaft zu formen.

Heine scheint es zu ahnen. In dieser Woche versprühte er nicht mehr so viel von dem Optimismus und der Leichtigkeit, die ihn nach seinem Amtsantritt am 10. April ausgezeichnet hatten. Lustlosigkeit ist Heine zwar nicht vorzuwerfen, er arbeitet konzentriert und akribisch wie immer. In den Ausführungen von Heine aber muss man nach kämpferischen Sätzen schon suchen. „Es geht um alles oder nichts“, sagt er immerhin. Auf Hertha lässt sich dieser Satz nicht mehr so recht projizieren – die Mannschaft steht vor dem Spiel gegen Leverkusen auf dem zehnten Tabellenplatz und kann nicht mehr absteigen, selbst die Qualifikation für den UI-Cup ist nicht wahrscheinlich. Für den Cheftrainer Heine dagegen geht es um alles oder nichts. Mit einem überzeugenden Sieg kann der 52-Jährige die Führungsebene des Klubs vielleicht noch überzeugen. Für den Fußballlehrer Heine aber geht es nicht um alles. „Ich arbeite auch gern wieder in meinem alten Bereich“, sagt der ehemalige Trainer der zweiten Mannschaft. Bis Ende Mai will Manager Dieter Hoeneß sich in der T-Frage entscheiden.

Heute hat Heine eine schwierige Aufgabe mit der ersten Mannschaft von Hertha vor sich. Seit sechs Spielen sind die Berliner im Olympiastadion schon sieglos. Ein Kopfproblem? „Ein anderes ist ja nicht zu erkennen“, sagt Heine. Kapitän Arne Friedrich glaubt nicht, dass seine Mannschaft bei Spielen im Olympiastadion verkrampft. „Die Fans unterstützen uns doch sogar dann noch, wenn es nicht läuft. Als es 1:4 gegen Bremen stand, haben sie einfach weiter gefeiert“, sagt er. Eine Erklärung für die schwache Heimbilanz in der Rückrunde kann Friedrich nicht finden.

Einfach ist das auch nicht. In der Hinrunde war Hertha die erfolgreichste Heimmannschaft der Bundesliga. Vielleicht war eben dies trügerisch. Leistungsmäßig haben die Berliner im Olympiastadion schon in der Hinrunde selten überzeugt. Aber bei Hertha wollte niemand wahrhaben, dass einige Siege glücklich zustande gekommen waren. In der Rückrunde hatten die Berliner kein Glück mehr – und Stürmer Marko Pantelic hörte auch noch auf zu treffen. Vor der Winterpause hatte der Angreifer zehn Tore erzielt, danach zwei.

Weil es auch auswärts nicht besonders gut läuft in der Rückrunde, ist Hertha von der stärksten Heimmannschaft der Hinrunde zum drittschwächsten Team der Rückrunde geworden. Karsten Heine glaubt, dass seiner Mannschaft derzeit starke Charaktere fehlen: „Wenn es nicht läuft, dann sind momentan nicht zwei, drei Leute auf dem Platz, die den Kopf oben behalten, das Heft des Handelns in die Hand nehmen und sagen: So Leute, jetzt müssen wir mal anders rangehen.“ Unabhängig davon, ob Heine im Amt bleibt: Auf den Hertha-Trainer der Saison 2007/2008 wartet sehr viel Arbeit.

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