Sport : Das letzte Hemd

Wie der Deutsche Hockey-Bund seine Finanzen konsolidierte

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Von Stefan Hermanns

Köln. Anfang des Jahres, bei der Weltmeisterschaft in Malaysia, wurde die deutsche Hockey-Nationalmannschaft von einer kleinen, aber treuen Fangemeinde unterstützt. Bei den Anhängern handelte es sich vornehmlich um Deutsche, die in Malaysia leben. So fern der Heimat entstanden fast freundschaftliche Beziehungen zwischen den Sportlern und ihren Unterstützern, und irgendwann wurde von den Fans die Bitte an die Hockeyspieler herangetragen, ihnen nach dem Turnier ihre Trikots zu überlassen. Klar, haben die Hockeyspieler gesagt, nur müssen wir dann beim nächsten Länderspiel mit nacktem Oberkörper antreten.

Den deutschen Hockeyspielern geht es da nicht anders als den Fußballern vom VfB Stuttgart, die seit neuestem auch keine Trikots mehr an ihre Fans verschenken dürfen. Nur, dass die Hockeyspieler derartige Sparmaßnahmen schon seit Jahren kennen. Für einen, der selbst nichts hat, ist es nun mal nicht so leicht, großzügig zu sein. Das erfährt in diesen Tagen auch Christian Mayerhöfer. Wenn der deutsche Rekordnationalspieler, der im März mit der Nationalmannschaft die Weltmeisterschaft gewonnen hat, die Spiele der Champions Trophy in Köln sehen will, muss er seine Eintrittskarte selbst bezahlen. Manchem mag das kleinkariert vorkommen, doch solche Maßnahmen sind nur der Ausdruck eines strikten Sparkurses, mit dem der Deutsche Hockey-Bund (DHB) seine zerrütteten Finanzen wieder konsolidiert hat.

„Wir können nicht unzufrieden sein“, sagt Joachim Hürter, der fürs Finanzielle zuständige Vizepräsident des DHB. Für den Hockey-Verband sind das schon nahezu euphorische Töne, denn als das derzeitige Präsidium Mitte 1999 sein Amt antrat, „waren die Finanzen schlicht und ergreifend in einem desolaten Zustand“, sagt Hürter. Es fehlten 150000 Mark, und das bei einem Verband, der durch die geringe Medienpräsenz seines Sports nur geringe Aussichten hat, lukrative Werbeverträge abzuschließen. Da passte es in die miese Stimmung, als im Februar auch noch der bisherige Hauptsponsor Apollinaris bekannt gab, dass er seine Option auf Verlängerung des am Ende des Jahres auslaufenden Vertrages nicht wahrnehmen wolle. Inzwischen aber gibt es wieder positive Nachrichten: Durch die jüngsten Erfolge der Nationalmannschaft bekommt der DHB mindestens bis 2004 den höchsten Fördersatz des Bundesinnenministeriums. Im vergangenen Jahr hat der DHB zudem einen Überschuss von 100000 Euro erwirtschaftet, und gestern nun konnte der Verband mit der Mineralbrunnen Überkingen-Teinach AG einen neuen Hauptsponsor vorstellen.

Der DHB hat aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt, aber für manche muss er heute noch zahlen. Dem Berliner Senat schuldet er seit der Champions Trophy 1995 noch knapp 40000 Euro. Damals hatte der Verband eine Agentur mit der Organisation des Turniers betraut, und das endete in einem finanziellen Fiasko. Diesmal hat der DHB die Champions Trophy mehr oder weniger allein organisiert. „Wir tragen das Risiko“, sagt Hürter, „aber wir haben auch das Sagen.“ Der Etat liegt bei etwa 800000 Euro. Knapp 400000 werden von Sponsoren getragen, 200000 kommen von der Stadt Köln und dem Land Nordrhein-Westfalen, der Rest muss über Zuschauereinnahmen finanziert werden. Dafür müssen etwa 16000 Besucher kommen. Am ersten Wochenende waren es knapp 9000. Für die letzten beiden Spieltage rechnet Hürter mit bis zu 11000 Zuschauern. Und möglicherweise gibt es zum Abschluss sogar das zuschauerträchtige Traumfinale Deutschland gegen Holland.

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