Sport : Das letzte Superprodukt

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Benedikt Voigt über das Krisenverständnis von Uli Hoeneß

Zugegeben, für einen Manager des FC Bayern München ist das alles nur schwer zu begreifen. Der Fußballklub von Uli Hoeneß hat seit dem Beginn der Siebzigerjahre keine schlechten Zeiten erlebt, weshalb das Wort Krise beim FC Bayern eine andere Bedeutung besitzt. Demnach ist eine Krise:

– wenn die Mannschaft zwei Spiele in Folge verliert.

– wenn sich zwei Spieler auf dem Trainingsplatz an der Säbener Straße gegenseitig abwatschen.

– wenn das Käferzelt auf dem Oktoberfest wegen Überfüllung geschlossen ist.

Existenzielle Nöte wie Abstieg oder Finanznot aber kennt man beim FC Bayern nur aus der Zeitung. Damit erklärt sich auch, warum Manager Uli Hoeneß die langwierigen Verhandlungen der Deutschen FußballLiga (DFL) mit den Fernsehsendern Sat 1 und Premiere über die Bundesliga-Rechte nicht begreifen kann. „Ich verstehe nicht, warum die DFL so rumeiert“, sagte Uli Hoeneß. Er forderte für den neuen Fernsehvertrag mehr Geld statt weniger.

Kirch-Krise, Werbekrise, Fußball-Übersättigung, das alles ficht ihn nicht an. „Wir können aus einer Position der Stärke verhandeln und müssen uns nicht ducken“, erzählt Hoeneß und möchte am liebsten die Bundesliga- Rechte an die ARD verkaufen, die sich kraft Gebührenfinanzierung die Liga am ehesten leisten könnte. Sat 1 soll derzeit 50 Millionen pro Saison bieten, Hoeneß stellt sich jedoch 120 bis 150 Millionen vor. Immer noch sei der Fußball ein Superprodukt, behauptet der Manager, doch da dürfte er etwas verwechselt haben. Das einzige Superprodukt der Liga, das ist der FC Bayern München.

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