Sport : Das letzte Zucken

Stefan Hermanns über Milans Chancen im Finale der Champions League

Stefan Hermanns

Kurz vor dem aktuellen Finale der Champions League muss der AC Mailand einmal ausdrücklich für seine vorausschauende Personalpolitik gelobt werden. Die Italiener haben den Vertrag mit Paolo Maldini um ein Jahr verlängert – eine wahrhaft zukunftsweisende Entscheidung. Maldini wird im Juni jugendliche 39, kommt also ins beste Fußballeralter, und dass er weitermacht, eröffnet Milan die Möglichkeit, die Champions League auch in der neuen Saison wieder zu dominieren. Der angebliche Wettbewerb der Besten der Besten ist nämlich in Wirklichkeit ein Wettbewerb der alten Männer.

Man kann, wie der VfB Stuttgart, mit einer jungen Mannschaft die Meisterschaft gewinnen; in der Champions League aber steigen die Erfolgschancen mit zunehmendem Alter. Es ist ein Muster, das über Jahre und Jahrzehnte zu beobachten ist. Große Mannschaften zeichnet aus, dass sie am Ende ihrer Entwicklung noch einmal zu einer außergewöhnlichen Leistung fähig sind, dass sie sich punktuell auf das Wesentliche konzentrieren, während sie der dauerhaften Anstrengung in der Liga oft nicht mehr gewachsen sind. Das war bei den Bayern am Ende der Ära Beckenbauer genauso wie unter Stefan Effenberg, der 2001 seine letzte Chance nutzte, sich unvergesslich zu machen.

Wenn Milan heute gegen Liverpool Revanche nehmen will für die Finalniederlage vor zwei Jahren, werden vermutlich acht Spieler der Startelf angehören, die schon 2003, beim letzten Triumph in der Champions League, auf dem Platz standen. Da trifft es sich besonders gut, dass gestern auch noch der FC Chelsea Andrej Schewtschenko die Rückkehr zu Milan erlaubt hat. Eine große, alte Mannschaft strebt ihrer Vollendung entgegen.

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