Sport : Das Lob der Offensive

Im Spitzenspiel der Bundesliga trennen sich der VfB Stuttgart und Werder Bremen 4:4

Oliver Trust

Stuttgart. Es lief bereits die zweite Minute der Nachspielzeit, als die Bremer noch einmal nervös wurden. Freistoß Stuttgart, Marcelo Bordon lief an, der Brasilianer, der dreifache Torschütze, der schon zweimal per Freistoß gegen den Tabellenführer der Fußball-Bundesliga getroffen hatte. Der Ball flog an der Mauer vorbei, Werders Torhüter Andreas Reinke streckte sich – und wehrte den Schuss ab. Im wahrscheinlich aufregendsten Spiel dieser Saison blieb es beim 4:4 zwischen dem Ersten und dem Dritten der Liga. Das Spitzenspiel hatte das Lob der Offensive gesungen.

Verlierer der Begegnung in Stuttgart war der FC Bayern München, der gehofft hatte, dass Werder bei einer Niederlage im Spitzenspiel noch einmal Probleme bekommen würde. Die Münchner konnten den Abstand an diesem Spieltag zwar verringern, neun Punkte sind für die Bremer jedoch immer noch ein komfortabler Vorsprung. Dabei konnten Münchner und Stuttgarter schon früh jubeln. Marcelo Bordon brachte den VfB bereits in der dritten Minute in Führung. Und es ging offensiv weiter. Bis zur Halbzeit fielen die Tore im Zehn-Minuten-Takt. Klasnic traf zum 1:1, Bordon zum 2:1, Klasnic zum 2:2, bevor Ailton die Bremer kurz vor der Pause zum ersten Mal in Führung brachte.

Schon zur Halbzeit des munteren Spitzenspiels fing Felix Magath mit der erhitzten Diskussion an, die sich in den nächsten Tagen vermutlich fortsetzen wird. Es wird wieder um die müßige Frage gehen, wie Schiedsrichter Spiele der Bundesliga durch falsche Entscheidungen beeinflussen. Der Stuttgarter Trainer wartete mit strengem Blick auf Schiedsrichter Herbert Fandel und seine Assistenten Mike Pickel und Christian Soltow und geigte dem Trio die Meinung. Und dazu hatte er allen Grund. Nur zwei Minuten nach Bordons Führung per Kopf kam Kevin Kuranyi in abseitsverdächtiger Position an der Bremer Strafraumgrenze an den Ball. Bremens Torwart Andreas Reinke entschärfte Kuranyis Torschuss außerhalb des Strafraums mit der Hand. Dafür sieht das Regelwerk die Rote Karte vor. Doch Reinke durfte weiterspielen. Und beim 2:2 der Bremer stand Klasnic im Abseits, allerdings so knapp, dass schon das Standbild vonnöten gewesen wäre, um es zu erkennen. Das aber hat der Schiedsrichter nicht.

Mit dem Rückstand zur Pause wollte sich vor allem der Brasilianer Bordon nicht abfinden. Nur fünf Minuten nach der Pause hämmerte der Stuttgarter Abwehrchef wieder einen Freistoß zum 3:3 ins Bremer Tor. Beim ersten seiner insgesamt drei Treffer hatte der Brasilianer den Ball direkt durch die Bremer Mauer geschossen. Bei seinem zweiten Freistoßtreffer, seinem dritten Tor insgesamt für den VfB, zirkelte er den Ball mit dem Außenrist an der Verteidigung vorbei. Bis zum gestrigen Spiel hatte Bordon in der gesamten Saison noch kein einziges Tor erzielt.

Die Zuschauer im ausverkauften Daimlerstadion wurden erstklassig unterhalten. Ohne langes Mittelfeldgeplänkel suchten beide Mannschaften bei einem enorm hohen Tempo den schnellen und direkten Abschluss. In der 69. Minute erzielte der Schweizer Stürmer Marco Streller das 4:3 für den VfB. Doch die Freude der Stuttgarter wehrte wieder nicht allzu lange. Nur zwei Minuten später rettete Stuttgarts Torhüter Timo Hildebrand zunächst gegen den Franzosen Johan Micoud, doch den Abpraller setzte Ailton zum Ausgleich ins Tor. Es war bereits der 24. Saisontreffer für den Brasilianer.

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