Sport : Das Loch nach dem Loch

Albas Coach Herbert glaubt, Fehler im Team behoben zu haben. Heute fehlt ihm aber Weaver gegen Mons.

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Orientierungsprobleme. Die Berliner, hier Weaver (l.) und Francis, spielten zuletzt wenig konstant. Foto: Kitty Kleist-Heinrich
Orientierungsprobleme. Die Berliner, hier Weaver (l.) und Francis, spielten zuletzt wenig konstant. Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Berlin - Gordon Herbert hat sich in den vergangenen Tagen als Klempner betätigt. Alba Berlins Coach machte sich in Training und Videostudium auf die Suche nach dem Leck, durch das seine Basketballer zuletzt hohe Führungen hatten rieseln lassen. „Es ist so wie bei einem Rohrbruch: Man muss das Loch finden und es reparieren“, sagt der Kanadier. Bei der 87:91-Niederlage gegen Zgorzelec hatte ein Einbruch in der zweiten Hälfte den Sieg gekostet, am Samstag verspielten die Berliner in Trier ebenfalls einen Vorsprung, gewannen am Ende aber noch 78:74. Vor dem heutigen Eurocup-Heimspiel gegen den belgischen Pokalsieger Mons-Hainaut (20 Uhr, Arena am Ostbahnhof) hat Gordon Herbert seine Installateurstätigkeit weitgehend abgeschlossen. „Ich habe zwei Spiele dafür gebraucht, aber jetzt habe ich es rausgefunden.“

Seine Erkenntnisse mit der Öffentlichkeit teilen will der 52-Jährige allerdings nicht so recht. Vor dem Trainingsbeginn am Montag schärfte er seinen Spielern zumindest deutlich hörbar ein, sich in der Halbzeitpause „intensiv und konzentriert“ aufzuwärmen, das habe ihm in Trier nicht gefallen. Das Resultat aus Herberts Sicht: „Wir sahen müde aus, wir sind aber ein Energie-Team, das ist unsere Stärke.“ Auf dem Feld verlangt Herbert Konzentration – gerade wenn es gut läuft. „Wir gehen in Führung – und dann spielen wir als Individuen und nicht mehr als Team“, fasst der Trainer die vergangenen Spiele zusammen. „Wir helfen uns nicht mehr gegenseitig, wir kommunizieren nicht mehr. Wir dürfen uns aber keine defensiven Aussetzer erlauben.“

Die Berliner lassen sich in dieser Saison bisweilen davon beeinflussen, wenn es im Angriff nicht gut läuft. Wenn die Würfe nicht reingehen oder der Ball verloren geht, sinkt auch die Intensität in der Verteidigung. Das Problem schien eigentlich schon überwunden. „Das ist uns Anfang der Saison passiert, danach nicht mehr“, sagt Herbert. „Aber jetzt waren wir im Angriff nachlässig und haben dann in der Verteidigung darüber nachgedacht.“ Kapitän und Lieblingsschüler DaShaun Wood stimmt seinem Trainer zu. „Manchmal diktiert unsere Offensive unsere Defensive“, gibt der Spielmacher zu. „Wir müssen uns einfach darauf konzentrieren, im Angriff nur gute Würfe zu nehmen.“

Alba führt die Tabelle der Gruppe H mit drei Siegen und einer Niederlage an, mit einem Sieg würden die Berliner schon vor dem letzten Spieltag die nächste Runde erreichen. Eine Niederlage würde bedeuten, dass Alba den guten Start in die Gruppenphase verspielt hätte und eventuell vier Tage vor Weihnachten in Podgorica gewinnen müsste. Auch Mons steht unter Druck. Die Belgier wären bei einer Niederlage bereits ausgeschieden. „Sie müssen gewinnen, wir müssen gewinnen“, sagt Herbert über die Ausgangslage.

Dabei müssen die Berliner heute auf Kyle Weaver verzichten: Der Flügelspieler flog am Sonntag nach Chicago, um die Beerdigung seiner Großmutter zu besuchen. Der 25-Jährige wird erst Ende der Woche zurück in Berlin erwartet. Herbert weiß noch nicht, wen er für Weaver in die Startaufstellung beordert, Heiko Schaffartzik soll weiter als Einwechselspieler von der Bank aus Energie ins Spiel bringen. Kaum hat Gordon Herbert ein Leck geflickt, muss er sich also schon wieder auf die Suche nach einer Reparaturmaßnahme begeben.

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