Sport : Das löchrige Schiff ist gesunken

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Von Oliver Trust

Frankfurt. Mit Bürgschaften kennen sie sich aus in Frankfurt. Mit einer Bürgschaft hilft man sich über die nächste hinweg, wenn die Kasse wieder einmal leer ist. Geldgeber wie der Flughafenbetreiber Fraport springen als Brückeninvestoren ein. Seit Jahren geht das so. Die Funktionäre von Eintracht Frankfurt hocken wie in Seenot geratene Matrosen da und schöpfen Wasser aus dem löchrigen Schiff. Funktionäre, deren Kompetenz im Profigeschäft oft dürftig ist, kommen und gehen anschließend im Streit mit gegenseitigen Schuldzuweisungen auseinander. Noch am Montag hatten Volker Sparmann, der Aufsichtsratsvorsitzende und Vorsitzende des Rhein-Main-Verkehrsverbundes, sowie Präsident Peter Fischer mit lautem Triumphgeheul die Abgabe der Lizenzunterlagen verkündet, als sei damit alles erledigt.

Zwei Tage später stammelte Fischer nur noch: „Es ist eine Katastrophe. Ich weiß noch gar nicht, warum das passiert ist. Es kann nur ein Problem mit der Bürgschaft der Hessischen Landesbank gegeben haben.“ Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) gab am Montag den „überraschenden“ Lizenzentzug für die Hessen bekannt. Als einziger der 36 Profiklubs muss die Eintracht in die Regionalliga zwangsabsteigen, wenn nicht doch noch ein Wunder geschieht. Noch am Montag hatte Fischer einen Investor angekündigt, der die Eintracht retten wolle. Es soll sich dabei um die Deutsche Beamten Vorsorge Immobilienholding (DBVI) gehandelt haben. Die DBVI hatte Interesse gezeigt, als Betreiber des neuen Frankfurter Stadions aufzutreten.

Nun wollen die Frankfurter ein Schiedsgericht des Ligaverbandes anrufen und notfalls vor ein ordentliches Gericht ziehen. Nach Mitteilung der Eintracht AG hätte die Hessische Landesbank (Helaba) nach Abgabe der Unterlagen im Zusammenhang mit der bereits gestellten Bankgarantie zusätzliche Wünsche geäußert. Dies, es soll sich um einen Anruf der Helaba bei der DFL gehandelt haben, habe zu Irritationen geführt.

Eintracht-Sprecher Carsten Knoop ging jedenfalls gestern noch davon aus, „dass das Verfahren zu einem positiven Ausgang geführt“ wird. DFL-Sprecher Tom Bender aber sagte, dass eine der zu erbringenden Bankgarantien nicht den Anforderungen der Liga für die Erteilung der Lizenz entsprochen habe. Die Garantie habe vielmehr die Finanzierung des Spielbetriebes in Frage gestellt. Zuletzt scheiterte die Eintracht auch mit dem Wunsch, von der Stadt Frankfurt Unterstützung aus dem Steuertopf zu erhalten.

Vorerst jedoch muss sich Eintracht Frankfurt mit der Regionalliga beschäftigen und innerhalb der nächsten 14 Tage die Wirtschaftlichkeit nachweisen. „Wir befinden uns in einem Schwebezustand“, sagte Knoop. Bevor nicht die schriftliche Begründung der DFL eingetroffen sei, gebe es keine offiziellen Äußerungen des Vereins mehr.

Schon 1997 und 2000 hatten die Frankfurter massive Probleme mit der Lizenz. Damals wie heute traten diverse Investoren auf den Plan. Es ist wohl die Aussicht, mit dem neuen WM-Stadion als Betreiber und Bauherr einen guten Schnitt zu machen. Dort soll es nicht nur Fußball geben, sondern Events vom Konzert bis zur Modenschau. So dachte auch Marketingriese Octagon, der 50 Millionen Mark in den Verein pumpte und dafür Rechte an der Eintracht AG erhielt.

Doch mit Trainerentlassungen und planlosen Spielereinkäufen trieb sich die Eintracht immer wieder selbst in die Enge. Höhepunkt der Peinlichkeiten war das Bestreben, Lothar Matthäus als Coach zu verpflichten und naiv auf das Schweigen des mitteilsamen Franken zu setzen. Seit Jahren stehen die Neuigkeiten der Sitzungen der Vereinsführung am nächsten Tag in den Zeitungen. Für professionelle Strukturen spricht das nicht gerade. Auch dafür zahlt die Eintracht nun den Preis.

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